18 Zwölftes Kapitel.
zahlloſe Glockenthürmchen, aber nirgends die impoſante Maſſe eines Doms.
Auch an Plätzen und Märkten iſt die Stadt ſehr arm; die Plaza de Cebado iſt faſt ringsum von elenden Baraken eingefaßt, und der intereſſanteſte iſt wohl die Plaza mayor, an der Calle mayor, nicht ſehr weit von der Puerta del Sol. Man betritt ihn, von weitem ſchon durch eine in ſeiner Mitte ſtehende bronzene Reiterſtatue angezogen, durch einen großen Thorbogen, und be⸗ findet ſich in einem länglichen Viereck dicht aneinander gebauter Häuſer im Berniniſchen Perückengeſchmack, aber lange nicht von der Ausdehnung des Hofs des Pariſer Palais rohal. Der bedeckte Gang, der unter den Häuſern hinläuft und in ſeinem Hintergrund unbedeutende Boutiquen enthält, ruht auf Granitpfeilern, die, wo eine bedeutendere Straße, wie die Calle Toledo oder die Zugänge von der Calle mayor, auf den Platz einmünden, ſich zu hohen Bogen aufwölben. Das öffentliche Gebäude in der Mitte der Langſeite, das die große marmorne Inſchrift: Plaza de la Con⸗ ſtitucion trägt, iſt wohl das einzige, welches bei dem Umbau dieſes Platzes ſeine alte Form ganz behalten hat; die grauen Mauern haben zahlreiche, ziemlich geſchmacklos verzierte Fenſter und Giebel, das Dach erhebt ſich zwiſchen allerlei phantaſtiſchem Schnörkelwerk. Dieſer Platz hat eine ſehr traurige und blutige Geſchichte. Früher wurden hier ausnahmsweiſe die großen glänzenden Stiergefechte, welche der Hof veranſtaltete, gehalten; in dieſem Fall ward der Platz dick mit Sand beſtreut. Schranken erhoben ſich rings um⸗ her, und an den Fenſtern, die noch heute numerirt ſind, wo ſich die Zuſchauer befanden, ſah man bunte Decken und Teppiche her⸗ abflattern. An dem oben erwähnten alten Gebäude bemerkt man noch jetzt die breiten Fenſter, wo ſich der königliche Hof befand. Dort blickte wohl Philipp Il. einſt auf den Platz herab, und die ſpaniſchen Damen und Cdelfräulein verbargen das Geſicht hinter ihrem Fächer, wenn ein gefeierter Torrero in den Fall kam, von den Hörnern des wüthenden Stiers geſpießt zu werden, oder auch wenn bei einem andern Schauſpiel der Rauch von brennendem


