Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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Madrid. 7

ſpaniſchen Hauptſtadt eine ordentliche Straße geben ſolle, war uns unfaßlich; ebenſowenig bemerkten wir einen Fiaker und das einzige Beförderungsmittel war ein alter gebrechlicher Omnibus mit vier Pferden beſpannt, dem wir uns anvertrauten, und der uns nach mehrmaligem Stehenbleiben die Höhe hinaufbeförderte.

Ohne die geringſte Uebertreibung habe ich unſere Ankunft in Madrid geſchildert, und fühle mich deßhalb um ſo mehr ver⸗ pflichtet, zu ſagen, daß ſich der Anblick der Stadt wie mit einem Zauberſchlag änderte, ſobald wir nur auf einem ziemlich ordent⸗ lichen Pflaſter bei den erſten Häuſern vorbeigefahren waren. Man befindet ſich hier ſogleich auf dem Prado, dem prächtigen Spaziergange mit dichten, dreifachen Ulmen⸗Alleen, mit Wegen für die Fußgänger, mit einem Corſo für die Wagen und Reiter, alles ſorgfältig geebnet, mit Steinbänken, prächtigen marmornen Springbrunnen, und fährt ſo am Rande der Stadt hin, deren breite Straßen auf den Prado münden und die, da ſie von ihm alle anſteigen, ein wahres Häuſermeer überſehen laſſen. Rechts haben wir das Nationalmuſeum, die Artilleriekaſerne, den bota⸗ niſchen Garten mit ſeinem unabſehbaren langen Eiſengitter, hinter welchem die berühmten Anlagen des Buen Retiro beginnen. Dicht an der Straße ſteht der Obelisk, welcher das Volk von Madrid an die franzöſiſche Gewaltherrſchaft und an den blutigen zweiten Mai von 1808 erinnert. Jetzt biegt unſer Omnibus links in eine Straße ein, es geht auf einem guten Pflaſter ziemlich ſteil aufwärts an vier⸗ bis fünfſtöckigen Häuſern vorbei und, auf der Höhe der Straße angelangt, kommen wir über einen kleinen drei⸗ eckigen Platz(Plazuela de Cervantes), in deſſen Mitte wir erfreut die Bronzeſtatue des unſterblichen Schöpfers des Don Quixote er⸗ blicken. Die langſame Bewegung des Wagens läßt uns Zeit, ſie etwas genauer ins Auge zu faſſen; ſie iſt nach dem Modell eines ſpaniſchen Künſtlers, aber in einer deutſchen Werkſtätte ge⸗ goſſen. Cervantes ſteht in vorſchreitender Stellung, hält in der Rechten eine Papierrolle, die andere Hand ſtützt ſich auf das De⸗ gengefäß, doch ſteht man dieſelbe nicht, da der Mantel darüber