356 Elftes Kapitel.
endlich langes Neſt, dabei ein ſo unergründlicher Koth und Schlamm auf den Straßen, den ich beſchreiben würde, wenn ich dergleichen bei dieſer Tour nicht ſchon ſo oft erwähnt hätte. Des ewigen Umherirrens ſatt, rief ich unſerem Zigeuner zu, er ſolle jemanden nehmen, der uns zur Eiſenbahn führe. Doch weigerten ſich alle Begegnenden, wahrſcheinlich des ſchlechten Wetters wegen. Die ewige Antwort auf unſere Fragen war:„Nur gerade aus, nur gerade aus!“
Mittlerweile hatten wir das Ende dieſes Ortes erreicht, wir waren wieder im Freien, freilich auf einer beſſeren Straße als vorher; doch nirgends eine Spur von der Eiſenbahn, um uns die ſchwarze Nacht ohne irgend einen freundlichen Lichtſtrahl. Glück⸗ licherweiſe begegnete uns ein Mann mit einem Ochſenwagen, den wir anhielten und nach dem richtigen Wege zur Eiſenbahn fragten. „Es iſt die rechte Straße,“ entgegnete er,„Sie haben noch eine ſtarke halbe Legua,“— ungefähr eine deutſche Stunde. Das war uns denn doch etwas zu bunt. Unſere üble Laune ſiegte, wir ſchimpften weidlich auf den langen Weg, auf das Regenwetter, auf Temble⸗ que, auf die Eiſenbahn. Natürlich half das alles nichts; wir mußten in der Nacht weiter reiten. Mein armes Maulthier ſtol⸗ perte über einen Steinhaufen und brach unter mir zuſammen. Horſchelt, der ſchnell ausweichen wollte, kam zu viel nach rechts und rollte, zum Glück ohne Schaden zu nehmen, mit ſeinem Thiere in den Chauſſeegraben. Da rief der Zigeuner, der uns voraus war:„Ferro carril!“ Wir ſahen vor uns im Thale Lichter, einige ſtanden feſt, andere bewegten ſich hin und her. O ſüße Hoffnung! vielleicht eine Locomotive. Ja, ja, es war ſo: unten mußte die Bahn eine Curve machen, im nächſten Augenblicke erblickten wir deutlich die rothglühenden Laternen der Maſchine. Ich hielt mein Thier an, um auch etwas zu hören. Ach! wie Muſik klang mir das Ziſchen des Dampfes, welches ich jetzt vernahm. Noch eine halbe Stunde, und wir hatten den Bahnhof erreicht. Um aber
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