Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Ein Kitt durch die Mancha. 355

mußten, wie das Geſpenſt der Fata Morgana erſchienen, neckiſch zurückweichend, je mehr man ſich abmühte, ſie zu erreichen.

So auch hier wieder in ausgedehntem Maßſtab. Die Sonne ſank unter, es wurde ſo finſter, daß man im wahren Sinne des Wortes keine Hand vor den Augen ſehen konnte und unſer armer Zigeuner vor uns hertappen mußte, um nur auf dem Wege zu bleiben. Aber trotz dieſer Vorſichtsmaßregel hatten wir die ſchlechte Straße dennoch kurze Zeit nachher verloren und machten eine un⸗ freiwillige Rutſchpartie in einen Sumpf hinein, in welchem die Maulthiere bis an den Bauch wateten, namentlich das meinige, welches auch den Zigeuner tragen mußte. Es war das ein ſehr mißlicher Moment; ringsum finſtere Nacht; wohin ſollten wir uns wenden? Wer wußte, wie tief das Moor war, in dem wir uns gerade befanden, und ob wir nicht im nächſten Moment an eine Stelle kamen, die uns ſpurlos verſchlingen würde? Die ſpa⸗ niſchen Sümpfe laſſen nicht mit ſich ſpaſſen. Wir ließen die Thiere gehen, wohin ſie wollten, und thaten wohl daran; denn nach einiger Zeit hatten ſie feſteren Boden und ſogar die Straße wieder aufgefunden. Bald darauf hörten wir Hundegebell, ſahen Lichterglanz und waren in Tembleque.

Wir hatten uns recht auf dieſen Anblick gefreut und ſogar unſere Thiere aus allen Kräften angetrieben; ſollte doch um acht Uhr ein Zug nach Madrid gehen, und bis dahin hatten wir noch eine halbe Stunde Zeit. Wir kletterten durch öde leeren Gaſſen, bei einer einſamen Kirche vorbei, ohne eine menſchliche Seele zu ſehen; endlich erblickten wir eine erleuchtete Hausthüre und einen Mann, der unter derſelben ſtand.Wo geht der Weg zur Eiſen⸗ bahn? rief ich.Nur gerade aus, entgegnete er,dort oben aber links. Wir trieben ugſere müden Thiere vorwärts, wir ritten gerade aus, dann links, und mußten nun wieder fragen:Wo gehts zur Eiſenbahn?Zuerſt gerade aus und dann rechts,

war die Antwort. VerdammtV! dieſes Tembleque war ein un⸗ 23