354 Elftes Kapitel.
ſteigt, bediente ſich nicht des Hohlweges, ja, nicht einmal des Bügels und marterte ſich ab, voltigirend den Rücken des armen Thieres zu erklimmen. Es war ein erhebender Anblick, wie er ſo als Mehlſack in dem Sattel hing und mit den Füßen ſchwimm⸗ artige Bewegungen machte, um hinaufzukommen, was ihm aber erſt nach furchtbaren Anſtrengungen gelang, zu meinem Ergötzen und zum großen Vergnügen des Gitano, ſo wie mehrerer Herren Buben aus dem Orte, welche dieſe Probe ritterlicher Gewandtheit gebührend anſtaunten. Uebrigens gab uns dieſer Vorfall auf mehrere Stunden Stoff zum Lachen. Ich erinnerte mich eines ähnlichen Vorfalles aus der Militärzeit her, wo ein Vorgeſetzter bei einer eben ſo mißrathenen Voltige ausrief:„Klettert mich der Kerl uf dat Pferd, wie die Kuh uf eenen Appelbom!“— Hor⸗ ſchelt wäre mir bei Erzählung dieſer Anekdote vor Entzücken faſt vom Maulthiere herunter gefallen, und nachdem wir ſchon meh⸗ rere Stunden geritten, brauchte ich ihn nur zu fragen:„Du, weißt du, was der Offtzier geſagt?“ ſo erlag er faſt einem förmlichen Lachkrampfanfalle.
Etwas Heiterkeit war uns übrigens an dieſem unangeneh⸗ men Nachmittage wohl zu gönnen. Der Regen hielt uns feucht durch die von Zeit zu Zeit ſich wiederholenden ordentlichen Gießer; der Weg war abſcheulich, und unſere Mulos fingen an ſo marode zu werden, daß ſie aus dem Stolpern nicht mehr herauskamen und jeden Augenblick in die Kniee ſanken. Daß zu gleicher Zeit Tembleque, das Ziel unſerer mühſeligen Tour(denn von dort hatten wir die Eiſenbahn nach Madrid), vor uns erſchien, trug etwas zu unſerer Aufheiterung bei. Wir ritten auf einer Hoch⸗ ebene, der Wind hatte die Wolken zerriſſen, und die Sonne be⸗ leuchtete auf einen Augenblick das hiedurch prächtig gefärbte Thal, in welchem noch unendlich weit von uns entfernt der eben genannte Ort lag. Wir kannten dieſe furchtbaren Entfernungen; waren uns doch bis jetzt ſämmtliche Ortſchaften, die wir erreichen


