Ein Nitt durch die Mancha. 353
Gegenſtände, daß es verzeihlich iſt, wenn man vielleicht etwas Anderes darüber vergißt. Es gehört auch zur Färbung einer Reiſe⸗ beſchreibung; der Leſer kann verlangen, daß man ihm ſagt, ob es geregnet oder ob die Sonne geſchienen, wogegen es in unſerem eigenen Intereſſe liegt, ihm zu vermelden, wenn unſer Mittageſſen einmal außerordentlich ſchlecht war; er wird uns dann als billiger Mann einige folgende, vielleicht ebenfalls ſchlecht geſchriebene Seiten nachſehen. 25
Wir verließen den vorhin genannten Ort zu Fuß, theils um die ſteif gewordenen Glieder gelenkig zu machen, theils um uns etwas zu erwärmen. Villa Cannas iſt an einen Berg hinan ge⸗ baut, hat jedoch eine im Vergleich zu den armſeligen Häuſern ganz anſtändige Kirche. Als wir die Höhe des Ortes erreicht hatten und faſt ſchon im Freien waren, ſahen wir auf einem Felde neben uns ſtatt der Lehmhütten, die rings umher ſtanden, nur Dinge wie Schornſteine, die ohne ein Dach oder ſonſt etwas aus dem Erdboden emporzuſteigen ſchienen. Ich erinnerte mich etwas Aehn⸗ liches in Dörfern auf dem Libanon geſehen zu haben, und ſind das Wohnungen ſo gut wie die anderen„nur daß ſie ſich unter der Erde befinden und außer der Thüre und dem Schornſteinloch keine weiteren Oeffnungen haben. Man findet ſie häufig in Spa⸗ nien, und ſie ſind faſt immer von Zigeunern bewohnt. Beſteht doch in Granada die ganze ehemalige Ritterſtadt, der Albaicin, aus ähnlichen Wohnungen und iſt von den Gitanos bewohnt, die ſich in ihren höhlenartigen Behauſungen wahrſcheinlich recht heimlich fühlen, wenn ſie an die Zeit denken, wo ſie ein noch leich⸗ teres Obdach in Wald und Flur hatten.
Ein tiefer Hohlweg, der uns auf der Höhe aufnahm, ſchien mir geeignet, auf bequeme Art Sattel und Maulthier zu erreichen. Ich ſtellte das Thier unten hin und glitt von oben ſanft auf den Sitz; der Maler aber, der eine ſolche Beihülfe als weichlich ver⸗ ſchmähte und mir zeigen wollte, wie der deutſche Mann zu Eſel
Hackländer, Ein Winter in Spanien. I. 23


