352 Elftes Kapitel.
Endlich hatten wir die fatale Strecke hinter uns und ſahen zugleich Villa Cannas, wo wir Mittag machen wollten. Aber nie hat uns ein Ort durch ſeine Entfernung ſo genarrt wie dieſer. Es war in der That zum Verzweifeln, wie wir ſo, Stunde um Stunde reitend, die Kirche des Dorfes, die Häuſer mit ihren Fenſtern immer deutlicher erkennen konnten und doch nicht hin⸗ kamen. Ich muß geſtehen, daß ich mich heftig darüber erzürnte, mehr aber noch über den Gleichmuth des Malers, der das ganz in der Ordnung zu finden ſchien, und der ſich unterſtand, mir zu
verſichern, er ſpüre nach nun achtſtündigem Ritte in Regen und
Kälte weder Hunger, Durſt, Müdigkeit, noch das Bedürfniß nach einem guten Feuer.
In der Nähe dieſes verzauberten Ortes begegneten wir zum erſten Male Reiſenden unſeres Schlages; es waren drei Reiter, die auf guten Pferden daher trabten, und die eben ſo durchweicht ſchienen, wie wir. Ihre Mäntel flatterten im Winde; wir be⸗ grüßten uns freundlich und hatten bald eine gute Strecke zwiſchen uns. Auch die Bahnlinie erreichten wir hier wieder; ſie führte auf einem hohen Damme mitten durch ein ſumpfiges Terrain, weßhalb wir denſelben benutzten, was mir auf ein Haar zu einem vierzig Fuß hohen Sturze verholfen hätte. Die Ränder des Dammes waren durchweicht und bröckelig, mein Maulthier that einen falſchen Tritt und konnte ſich nur durch eine verzweifelte Anſtrengung vor dem Hinabrollen retten.
Villa Cannas, dem wir nun endlich beikamen, war ein recht elendes Neſt mit Lehmhütten, faſt ohne alle Fenſter, einem fürch⸗ terlichen Pflaſter und einer ziemlich ſchlechten Poſada. Doch ließen wir uns den ſtark gepfefferten Reis mit Hammelfleiſch recht wohl ſchmecken, tranken einen nicht ſehr guten Rothwein dazu und hiel⸗ ten uns deſto feſter an die Chocolade, welche wie überall vortreff⸗ lich war. Man kann es einem Reiſenden wahrhaftig nicht übel nehmen, wenn er oft und viel vom Eſſen und vom Wetter redet: es ſind das namentlich bei Touren wie die unſrigen ſo wichtige


