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Ein Ritt durch die Mancha. 351
Krämpe des caſtilianiſchen Hutes artige Bächlein herabrieſelten und wir anfingen die kühle Flut auf unſerer Haut zu ſpüren, da wurden wir wieder heiter und guter Dinge und trotzten mit fröh⸗ licher Laune unter Abſingung allerlei luſtiger Lieder den feindli⸗ chen Elementen. Es war mir angenehm, daß wir nicht auf der langweiligen Chauſſee dahin zogen; die Gegend hier war abwech⸗ ſelnd, ja zuweilen wild romantiſch. Hier ſenkte ſich der Weg zu einer tiefen Schlucht hinab, die, jäh und dunkel, das Thal vor uns weithin zerriß; eine uralte Brücke, aus mächtigen Steinen gebaut, führte hinüber und zu einer Hochebene, die in ihrer wilden troſtloſen Einſamkeit alles übertraf, was wir in den letzten Tagen geſehen. In faſt unabſehbarer Fläche breitete ſich vor uns aus eine dunkle Haide, ein Moor, durch die Farbe der Erde, durch zahlloſe abgeſtorbene Farrenkräuter, durch blühende Eriken, braun⸗ roth gefärbt, und die Straße zog ſich, von Hufen und Rädern aufgewühlt, wie ein ſchwarzer Streifen mitten durch ſie hin. Dieſe Straße war ein paar Hundert Fuß breit, natürlicher Weiſe ohne irgend eine künſtliche Anlage, und lief ſchnurgerade, wobei man deutlich am Horizont ſah, wie ſie ſich ſcheinbar zuſpitzte. Schmutzig graue Wolken hingen formlos, zerriſſen tief von dem dunkeln Himmel herab, zeitweiſe unbeweglich und ſchwerfällig, dann wieder gejagt von heftigen Windſtößen.
Unſere Maulthiere ließen die Köpfe hängen, ſte troffen von Regen eben ſo wie der Zigeuner, der ſich an der rechten Seite meines Maulthiers feſthielt und die Thiere forwährend antrieb. Er hatte ſich ſeine Manta um den Kopf geſchlungen und blickte zuweilen verſtohlen an den Himmel hinauf, der immer neue Regen⸗ ſchauer herabſandte.
So zogen wir dahin auf der weiten, weiten Haide, deren Gränzen bei jedem Schritt nach allen Seiten noch mehr zurück zu weichen ſchienen; ſo zogen wir dahin, ein paar kleine unbedeutende Punkte in dieſer gewaltigen Natur. Es gehörte aber auch all unſer guter Humor dazu, um nicht verdrießlich zu werden.


