Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Ein Ritt durch die Mancha. 349

ſeltſam contraſtirte. Da unſer Zigeuner für morgen einen län⸗ geren Ritt vorausſagte, ſo ſuchten wir früh unſere Betten, die heute recht ordentlich waren, und entſchliefen augenblicklich.

Schon um vier Uhr wurden wir geweckt; wir tranken am Feuer unſere Chocolade und ſtiegen, nachdem unſere Maulthiere bepackt waren, was immer einige Zeit in Anſpruch nahm, beim erſten Grauen des Morgens in den Sattel. Der Himmel war klar, doch war es dunkel genug, daß wir überall die Sterne durchflim⸗ mern ſahn, weßhalb wir genöthigt waren, neben unſerem Zigeu⸗ ner noch einen kleinen Buben anzunehmen, der uns durch ver⸗ ſchiedene Engpäſſe vor dem Orte, durch Schluchten und Hohlwege auf die Straße brachte, wo ſich unſer eigener Führer wieder zurecht fand. Trotz ſeiner geſtrigen Verſicherung, er kenne den Weg nach Tembleque wie das Haus ſeiner Mutter, geſtand er uns doch heute ein, daß er noch nie über die geſtern erwähnte Venta hinaus gekommen ſei.

Campo Critana liegt am Fuße eines felſigen Hügels, durch deſſen Riſſe und Sprünge wir uns langſam hinauf arbeiteten. Der Wind hatte ſich auch wieder aufgemacht, doch blies er nicht mehr ſo ſcharf und ſchneidend wie geſtern, ſondern er kam ſtoß⸗ weiſe mit etwas wärmerem Hauche, was für den Augenblick angenehmer war, uns aber Regenwetter prophezeihte. Die Sonne ging in finſterer, glühender Majeſtät wie zürnend auf und hatte in ihrem Gefolge dunkle, maſſenhafte Wolken, hinter denen ihre Strahlen wie blitzende Flammen über die röthlichen, nackten Felſen, auf welchen wir ritten, hinfuhren, ſo daß unſere langge⸗ ſtreckten ſchwarzen Schatten auf feurigem Grunde dahin fliehenden Geſpenſtern glichen.

Angenehmer Weiſe hatten wir nicht wie geſtern die uͤnab⸗ ſehbare öde Gegend vor uns; vielmehr war das Terrain wild und zerklüftet, und ein ſchmaler, mit Steingerölle bedeckter Pfad führte oft ſehr ſteil auf- und abwärts, wodurch unſer Zigeuner beſtän⸗ dig einen ziemlichen Vorſprung vor uns hatte; denn während er