346 Elftes Kapitel.
das andere Ufer zu erreichen. Doch hatten wir uns kaum dem letzteren genähert, als ein paar ſehr große und ſtarke Hunde aus dem Gebüſche aufſprangen und zähnefletſchend mit lautem Gebell gegen uns anſtürzten. Mein Maulthier ſtutzte einen Augenblick, doch trieb ich es den Abhang hinauf, und der Zigeuner, der von der Kruppe herabglitt, traf mit dem Kieſel, den er in der Hand trug, den einen der Hunde ſo nachdrücklich in die Rippen, daß er mit lautem Geheul davon ſprang; der andere zog ſich ebenfalls aus der Angriffs⸗Linie zurück, und wir ritten lachend durch das dichte Geſtrüpp das Ufer hinan, bei der oben erwähnten Hütte vorbei, als dort auf einmal zwei Kerle erſchienen, die uns einige Schimpfworte entgegen riefen und dabei auf den Hund deuteten, der den Fuß etwas in die Höhe zog.
Der Zigeuner faßte meinen Steigbügel, legte einen Finger auf den Mund, womit er andeuten wollte, wir ſollten nichts er⸗ widern— aber unſer Gewehr herauf nehmen, ſagte er mit leiſer Stimme. Er gab auch dem Maler einen Wink, und wie auf Commando langten wir an der Seite hinunter, hoben die Flinte aus den Haken und legten ſie quer vor uns auf den Sattel. Der eine der beiden Kerle war ebenfalls im Beſitz eines roſtigen Schieß⸗ prügels, den er langſam in die Höhe hob. Doch blieb es bei dieſer Demonſtration und fortgeſetztem Schimpfen, worauf wir wieder ungehindert unſeren Weg fortſetzten, das Flußbett mit ſeinem Ge⸗ ſtrüpp und Sumpfgraſe bald im Rücken hatten und in Kurzem wieder auf der Eiſenbahn⸗Linie dahin trabten. Unſer Gitano trieb immer vorwärts, und da er von dem beſtändigen Laufen endlich doch anfing müde zu werden, ſo hängte er ſich zuweilen an einen Riemen meines Maulthiers und ließ ſich mit fortziehen.
Ungefähr eine Stunde nach unſerem Flußübergang tauchte am fernſten Horizont eine Hügelkette auf, auf der man einige Ge⸗ bäude unterſcheiden konnte, Campo Critana, unſer Nachtquartier. Doch war unſere Freude über dieſen Anblick nicht übermäßig; wir hatten geſtern und heute die Entfernungen ſchätzen gelernt und


