330 Elftes Kapitel.
ihr gleiches Weſen trieb; nur der Guitarrenſpieler war durch einen anderen abgelöst worden; auch das junge Mädchen ſtand abermals am Feuer und bereitete irgend eine Speiſe für neuan⸗ gekommene Gäſte.
Es war das eine ſchlanke, zierliche Geſtalt mit ſchwarzen Haaren und großen, lebhaften Augen. Sie beſorgte ihr Geſchäft mit einer angebornen Grazie und hatte dabei Zeit genug übrig, verſchiedene, wie uns ſchien, pikante Antworten auf die zudring⸗ lichen Fragen und Bemerkungen der Maulthiertreiber nach rechts und links auszutheilen. Dabei überſah ſie aber ihre Pfanne und drei oder vier Kochtöpfe, die um das Herdfeuer ſtanden, mit großer Leichtigkeit und ohne viel Weſens dabei zu machen. Ueber⸗ haupt iſt es merkwürdig, wie einfach hier in dieſen ländlichen Wirthshäuſern die Kocherei betrieben wird. Unter Sprechen und Lachen ſetzt die Hausfrau oder eine ihrer Töchter Reis, Waſ⸗ ſer und Hammelsfett ans Feuer, verſucht nach einiger Zeit die Brühe, wirft Salz oder Pfeffer nach, doch vergißt ſie während alles dieſes die Unterhaltung nicht und reicht dabei mit der freund⸗ lichſten Miene den Umherſitzenden Holzkohlen für ihre Papier⸗ Cigarren.
Die ganze Wirthſchaft hier am Herde hatte etwas Zigeuner⸗ artiges; denn, wie ſchon bemerkt, die Kochanſtalten hätten unter freiem Himmel nicht einfacher ſein können und nicht zwangloſer die Gruppen der um das Feuer her Lagernden. Eine Figur für einen Hauptmann war auch da— ein alter, grauer Contre⸗ bandier oder Flurſchütz, oder beides zugleich; und dann vor allen Dingen Precioſa nicht zu vergeſſen, Precioſa vor der Bratpfanne, die gegen Jeden freundlich war, ohne Einem eine Vertraulichkeit zu erlauben. Sie hatte in der That prächtige Augen, und wenn ſie ſo zuweilen unter den langen Wimpern hervor nach uns fremden Reiſenden herüberſchielte und auf einem ſolchen Blicke ertappt wurde, ſo überflog ein freundliches Lächeln ihr Geſicht, und die emporgehobenen Lippen zeigten ihre blendend weißen
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