328 Elftes Kapitel.
ohne ſich um einen zu verrechnen, hätte zä hlen können, wenn man ſich die Mühe hätte geben wollen.“
Obgleich ich überzeugt bin, daß es dem edlen Cervantes ſehr gleichgültig ſein kann, daß ich die Wahrheit ſeiner Schilderung hiemit bezeuge, ſo kann ich es doch bei meiner Wahrheitsliebe nicht unterlaſſen.— Einige Abtrocknung unſerer Stiefel und Strümpfe war das erſte nothwendige Geſchäft, das wir unternahmen. Mit den letzteren ſah es, wenn unſere folgende Tour nicht vom Son⸗ nenſchein begünſtigt war, ſehr traurig aus; wir hatten in unſere Nachtſäcke nur ſehr wenig packen können, bei der großen Eile, mit der wir die Diligence verlaſſen hatten, vorher nicht an unſere Tour denkend.
Nachdem der Wirth unſeren Braſſero geſchürt, ging er, unſer Nachteſſen zu beſtellen, was ungefähr eine kleine halbe Stunde in Anſpruch nahm. In dieſer Zeit machten wir es uns ſo bequem wie möglich und empfingen auch den Beſuch des hier ſtationirten Eiſenbahn⸗Ingenieurs, eines Bekannten von Herrn B., nach deſ⸗ ſen Befinden er ſich eifrigſt erkundigte. Hier nun kam uns unſere Sprachunkenntniß recht zu Statten; denn da wir jenen Herrn, auf den wir uns beriefen, in unſerem ganzen Leben nicht geſehen, ſo wäre es auch ſehr ſchwierig für uns geweſen, über ſeine Per⸗ ſon, Aufenthalt und Geſundheit Nachricht zu geben; ſein College mußte alſo unſere gewiß verkehrten Antworten dem angegebenen Grunde beimeſſen. Uebrigens hatten wir im Sprechen doch ſchon einige Fortſchritte gemacht, und im Verlauf unſerer Unterhaltung erzählten wir von den deutſchen Eiſenbahnen, ſogar vom ſchwäbi⸗ ſchen Alp⸗Uebergange bei Ulm zur großen Zufriedenheit unſeres Ingenieurs.
Endlich kam das Nachteſſen und nach faſt zwölfſtündigem Faſten und Marſchiren ſahen wir eine übergroße Schüſſel voll Geflügel und Reis mit großem Behagen auftragen. Der gute Ingenieur war discret genug, nicht unſer Gaſt ſein zu wollen, und ſo attaquirten wir unſer Gericht von zwei Seiten mit dem
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