326 Elftes Kapitel.
einer ganz anderen und merkwürdigen Umgebung. Der Thorweg führte in den weiten unteren Theil des Hauſes, ein großes Gemach, das auf Holzpfeilern ruhte und verſchiedene Abtheilungen hatte. Die, zu welcher wir herein traten, war leer und halbdunkel; doch ſtrahlte aus dem Hintergrunde heller Feuerſchein und wir hörten nicht allein den Klang von menſchlichen Stimmen, ſondern auch Guitarren⸗Accorde und das Knackern von Caſtagnetten. Das verſprach ſchon etwas.
Wir ſchritten ermuthigt weiter und kamen bald in das eigent⸗ liche Wohnhaus, das auch hier zugleich Küche und Aufenthalt der Gäſte war. Ach! hier ſah es bunt und maleriſch, ja in der That recht heimlich aus. Auf der Herdplatte am Boden brannte ein ſo rieſenhaftes Feuer, daß die Flamme bis hoch hinauf in den Schornſtein fuhr. Zu beiden Seiten deſſelben, auf Bänken, Stühlen und Fäſſern, ſaß und lag eine ganz auserleſene Geſell⸗ ſchaft: Maulthiertreiber, Krämer, Wegſchützen, Contrebandiers, kurz, ein Dutzend Männer in der ungezwungenſten Haltung, in meiſtens recht lumpigen, aber dabei nicht übel ausſehenden Co⸗ ſtumes. Einer arbeitete auf der Guitarre herum, ſang auch zu⸗ weilen eine Strophe, bei deren Refrain die Anderen einfielen, mit den Händen klatſchten, oder, die Fäuſte unter den Kopf geſtemmt, lächelnd zuhorchten. Es war eine maleriſche, bewegte Gruppe, der das flackernde Herdfeuer die prächtigſte Beleuchtung verlieh und durch den hin und wieder zuckenden Schein die blitzenden Augen und das lebendige Mienenſpiel noch erhöhte; denn bald fuhr ein leichter Schatten über die Köpfe, bald wurden ſie wieder hell be⸗ ſtrahlt von der röthlichen Gluth.
Vor dem Feuer aber ſtand ein Mädchen, deſſen Geſicht wir nicht ſehen konnten, da es uns den Rücken wandte. Sie dirigirte eine große Bratpfanne, welche auf einem eiſernen Unterſatz ruhte und in der es praſſelte und ſchmorte. Sie mußte jung ſein, das ſah man an dem leichten zierlichen Wuchſe, auch gewiß ſchön, denn die jungen Burſchen um das Feuer wandten bei irgend


