324 Elftes Kapitel. erkannte die Flügel und ſagte, dieſer oder jener drehe ſich. Auch Häuſer wurden nach und nach erkennbar; da war es aber ſchon halb Fünf geworden. Um fünf Uhr ſahen wir das Neſt deut⸗ licher, da fing es an zu dämmern und wir hofften, unſer Nacht⸗ quartier in einer Viertelſtunde zu erreichen.
Doch waren wir noch an keine Tour in der Mancha ge⸗ wohnt, wir kannten dieſes flache, unendliche Terrain noch nicht, ebenſowenig die klare und reine Luft, noch die anſcheinend ſo kur⸗ zen Entfernungen, die ſich ſtundenlang gleich zu bleiben ſcheinen, und welche Fußgänger, ja ſogar Reiter faſt zur Verzweiflung bringen können. Wir zogen ſtill ſeufzend unſeres Weges dahin, jetzt wieder hinter dem Karren, denn wir hatten abermals einen Hohlweg erreicht, auf deſſen beiden Rändern wir der Dunkelheit wegen nicht marſchiren konnten. Es war vollkommen finſter ge⸗ worden, die Sterne leuchteten mit einem ungewiſſen Scheine und ein oder zwei Lichter aus Villarrobledo, die wir endlich ſahen, woll⸗ ten nicht näher kommen.
Es wurde ſechs Uhr, es wurde ſieben Uhr, es wurde halb Acht,— da endlich hatten wir— nicht das Dorf erreicht, doch einen ſo bodenlos ſchlechten Weg, daß wir feſt überzeugt waren, jetzt endlich einer ſpaniſchen Ortſchaft nahe zu ſein. Und ſo war es denn auch. Noch eine Viertelſtunde ging es die ſo lange ge⸗ ſehene Anhöhe hinauf, dann kamen wir an eine Reihe Häuſer, die ein Mittelding zwiſchen Straße und Platz bildeten— der An⸗ fang von Villarrobledo.
Für Leute, wie wir, die hungrig und müde auf ein freund⸗ liches Nachtquartier hoffen, für die der Lichtſchimmer aus irgend einem Fenſter ſo wohlthuend iſt, war der Anblick dieſes Neſtes wahrhaft troſtlos. Ein Haufe niedriger Häuſer, faſt ohne Fen⸗ ſter, mit hohen verſchloſſenen Thüren, faſt ohne den Schimmer eines Lichtes, eine Gaſſe, die bald rechts, bald links lief, mit Schnee und Schmutz bedeckt und ſo menſchenleer und öde, daß unſere Schritte und der Hufſchlag des Maulthiers wahrhaft erſchreckend


