322 Elftes Kapitel.
Da ich nun meinen Don Quirote ziemlich im Kopfe habe und ihn tröſten wollte, ſo gut wie möglich, ſo ſagte ich ihm aus der Rede des ſinnreichen Edlen, was derſelbe bei ähnlicher Veran⸗ laſſung ſeinem getreuen Stallmeiſter Sancho Panſa zum Beſten gab:„Erfahre alſo, Sancho, daß die Ehre der irrenden Ritter darin beſteht, in einem Monate nicht zu eſſen, und ſelbſt wenn ſie eſſen, das, was ihnen in die Hände fällt. Du würdeſt auch davon verſtchert ſein, wenn du ſo viele Hiſtorien wie ich geleſen hätteſt; denn trotz der großen Menge habe ich nicht in einer einzigen er⸗ wähnt gefunden, daß die irrenden Ritter gegeſſen hätten, wenn es ſich nicht etwa traf, daß man ihnen ein prächtiges Banket anrichtete; ſonſt begnügten ſie ſich an den übrigen Tagen mit Entbehrung. Wenn ich nun freilich wohl einſehe, daß ſie nicht ohne Eſſen ſo wie die übrigen natürlichen Bedürfniſſe leben konnten, denn ſie waren eben ſolche Menſchen, wie wir es ſind, ſo verſteht es ſich doch auch von ſelbſt, daß ſie die meiſte Zeit ihres Lebens in Waldungen und Einöden, und zwar ohne einen Koch, zubrachten, daß ſte ſich an Entbehrungen gewöhnen mußten, um ſelbſt ohne die allergewöhnlichſten Speiſen geraume Zeit beſtehen zu können.“
Nachdem wir jene ungaſtlichen Häuſer verlaſſen, erreichten wir in kurzer Zeit den dunklen Streifen, den wir von Weitem geſehen und den ich für einen Wald gehalten hatte. Es war aber nichts als eine Haide, mit mannshohen Burbaumſträuchern be⸗ wachſen, die ziemlich dicht ſtanden, natürlicherweiſe auch in dieſer Jahreszeit belaubt waren, für uns aber die Unannehmlichkeit hatten, daß ſie den Boden feucht und ſchlammig erhielten, weil Sonne und Wind nicht auf den Weg dringen konnten. Bis hieher hatten wir doch wenigſtens einen erkennbaren Pfad gehabt, durch dieſe Sträucher aber führten beſtändig ein Dutzend Wege durch einander in den eigenſinnigſten Windungen, bald rechts, bald links
ein Gebüſch, einen Hügel umgehend, was außerordendlich ermü⸗ dend war.
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