Von Mailand nach Florenz. 33
und glatten Straßen Mailands fuhren wir ziemlich raſch und freu⸗ ten uns, daß der Courier auf dieſe Art im Stand ſein werde, ſeine Fahrzeit nach Genuag von 16 Stunden einzuhalten. Kaum aber hatten wir das Thor hinter uns, ſo verfiel er in ein ſehr lang⸗ ſames Tempo, und der Conducteur ſprach achſelzuckend von der Strada cattiva. Es iſt das ein Lieblingswort der italieniſchen Poſtillone, und ich hab' es hören müſſen bei ſchönem und ſchlech⸗ tem Weg, bei Schmutz oder Staub, bei Regen und Sonnenſchein. Die Straße war allerdings von dem vielen Regen der vergangenen Woche etwas durchweicht, doch hätten ſich daraus z. B. die fünf kräftigen Pferde der ehemaligen franzöſiſchen Mallepoſt nichts gemacht, hier aber hatten wir ſechs italieniſche Roſſe, ſchwache Thiere, von dürftigem Körper, mit mangelhaftem Geſchirr.
Die Straße nach Pavia iſt ſchön, breit, aber langweilig; ſie läuft beſtändig an dem Ufer des Canals hin, welcher den Ticino mit dem Po verbindet, und auf welchem man hie und da eines der flachen ſchwarzen Boote ſteht, die uns, von Pferden oder Maul⸗ thieren gezogen, begegnen oder in den zahlreichen Schleußen auf⸗ und abſteigen. Rechts und links iſt die Ausſicht auf das flache Land durch Bäume und Rebengewinde verdeckt, und nur zuweilen blickt man auf die endloſen Felder hinaus, ſieht dort ebenfalls endloſe Baumreihen, tiefe Waſſergräben oder junge Reisfelder, deren friſches Grün aus dem ſchlammigen und naſſen Boden, der zu ſeinem Wachsthum nothwendig iſt, eben erſt hervorgebro⸗ chen iſt.
In Pavia erwachten wieder Kriegserinnerungen auf das lebhafteſte in mir, als wir durch die engen ſteilen Straßen gegen den Ticino hinabfuhren. Dort auf dem Balcon jenes Eckhauſes ſtand der Marſchall und ließ die Truppen bei ſich vorüberdefiliren, unten im Hauſe in dem großen Thorbogen ſtanden wir faſt den ganzen Tag des zwanzigſten Märzen, und wechſelten mit den luſtig Vorüberziehenden Gruß und Handſchlag. Drunten auf dem Fluß behauptete die alte ſteinerne Brücke heute wieder die Herr⸗ Hackländer, Ein Winter in Spanien. I. 3


