32 Bweites Kapitel.
ſollte eine Stunde nach dem Ave Maria alſo bei anbrechender Dunkelheit, manch unheimliches vorgefallen ſein. Doch wußte in Mailand auch davon niemand ein Wort, und man verſicherte mich, Diligencen und Couriere ſeien ſeit undenklichen Zeiten nicht mehr beläſtigt worden.
Um von hier nach Genua zu gelangen kann man ſich dieſer beiden Transportmittel bedienen; die Diligencen gehen etwas lang⸗ ſamer, koſten dafür auch weniger, doch ſind die Wagen nicht ſo be⸗ quem wie die des Couriers, welcher ſich eine kaiſerl. königl. öſter⸗ reichiſche und königl. ſardiniſche Anſtalt nennt, auch die Wappen beider Reiche prakticabel mit ſich führt; denn wenn man den Ticino überſchritten hat, verſchwindet der Doppeladler vom Wagenſchlag und das weiße Kreuz nimmt ſeine Stelle ein. Man muß die Plätze für den Courier ein paar Tage vorher beſtellen, da der Zudrang von Reiſenden beſtändig ſehr groß iſt, und hier, wie in ganz Italien, keine Beiwagen gegeben werden. Der Courier hat im Coupé außer dem Platz für den Conducteur noch zwei andere, und im Innern acht Plätze, drei vorwärts, drei rückwärts, und zwei Seſſel, Poldrone genannt, an den Wagenſchlägen.
An dem Tag, wo wir abfuhren, war der Courier ebenfalls vollſtändig beſetzt und ſchwer mit Gepäck beladen, auch außerdem beſchwert mit einigen dreißig umfangreichen Geldpaketen; eine herrliche Gelegenheit für irgend einen Räuberchef, wenn ein ſolcher dageweſen wäre oder es gewußt hätte, in dem Fall aber auch viel⸗ leicht für uns ein gutes Ableitungsmittel.
Sämmtliche Eilwagen werden hier in Italien immer noch, wie auch bei uns in frühern Zeiten, vom Sattel aus geführt, dazu hat jedes paar Pferde ſeinen Poſtillon, weßhalb es auch nie ſehr raſch vorwärts geht; die Sattelpferde können bei dem Zug nicht viel mitwirken, da jedes genug an dem langbeinigen Schlingel zu ſchleppen hat, der, die Arme hin⸗ und herwerfend, auf dem Sattel ſitzt und bei jeder Veranlaſſung, namentlich in den Städten, unſtnnig mit ſeiner Peitſche knallt. Durch die ſchönen


