Von Mailand nach Florenz. 31
iſt— Paukenwirbel und Trompetengeſchmetter— da erſcheint nicht der Henker oder ſein Opfer, ſondern— um durchs Ange⸗ nehme das Traurige zu verſüßen, die liebliche Maywood, eine der graziöſeſten Tänzerinnen, welche es in dieſem Augenblick gibt, und tanzt ein ſo reizendes pas de deux, daß man die Augen ſchließen möchte und ſie lange nicht mehr öffnen. Im ſechsten Act endlich ſind wir während der Nacht auf der Piazzetta, eine der prachtvollſten Decorationen die ich lange geſehen. Weit hinten leuchtet das Meer im Mondſchein, glänzend erhellte Gondeln fahren vorüber, während der Dogenpalaſt und die Procurazien im Licht Tauſender von Lampen ſtrahlen. Der arme Verbrecher wird zum Tod geführt, aber hinter ihm her kommt das bekannte weiße Tuch, hundertzwanzig Arme und Beine tanzen Gnade! Gnade! man ſtürzt einander in die Arme, die Geliebte des jungen Menſchen, die wir vom Rendezvous her kennen, wird herbeige⸗ führt— ungeheurer Jubel; das koloſſale Orcheſter der Scala wird noch unterſtützt von einem zahlreichen Muſtkchor auf der Bühne, bacchantiſche Luſt ſchallt rings umher, die Bewegungen der Tänzerinnen werden in ihrer Herzensfreude immer wilder und ausſchweifender, und, um mich eines bekannten Ausdrucks zu bedienen, ſieht man, ehe der Vorhang fällt, bei einer letzten ver⸗ zweifelten Anſtrengung nichts als Himmel und Tricot.
Es gibt gewiſſe Zeitungen, die ſich ein Vergnügen daraus zu machen ſcheinen, ihren Leſern einen möglichſt ſchlechten Begriff von der Sicherheit italieniſcher Landſtraßen beizubringen; namentlich erzählt man viel von Räubereien in der Lombardei, ja ähnlichen Sachen, die ſich dicht vor den Thoren Mailands zu⸗ getragen. Ich hatte mir einige dergleichen Facta gemerkt, um mich an Ort und Stelle darnach zu erkundigen, fand aber faſt alles übertrieben, und die größte Räubergeſchichte ſchrumpfte, in der Nähe beſehen, zu einem unbedeutenden Ereigniß zuſammen. Auch über die Straße von Mailand nach Genua wurde mir ſchon zu Hauſe in dieſer Richtung manch übles geſagt, und auch hier


