Nach Italien. 15
fortwährend zwiſchen ungeheuern Bergwänden, nur vor ſich ſteht man ſie etwas gelichtet. Da theilen ſie ſich mehr auseinander und durch die grauen ſtarren Maſſen erblickt man tief unter ſich freundlichere Formen, ſtatt dem einförmigen Grau in ſanfter, röthlich⸗violetter Färbung; das ſind ſchon die Berge, deren Fuß der ſchöne Comerſee beſpült. Auch wir kommen bald dort hinab, noch einige unheimliche Felspartien haben wir zu paſſiren, noch einige Zickzackwege, welche die guten und ſichern Pferde in vollem Trabe hinablaufen, dann wird die Gegend rechts und links reicher und lieblicher, die Häuſer bekommen ſchon ein wohnlicheres An⸗ ſehen, Laubholz aller Art, worunter viele zahme Caſtanien und welſche Nüſſe, beſchatten unſere Straße; die öden Steinmauern, die bisher unſern Weg begränzten, verwandeln ſich in zierliche Veranden, überrankt von wehendem Weinlaub, und bei ſinkender Nacht erreichen wir Chiavenna. Hier in den engen Straßen ſind alle Buden geöffnet, Lichterglanz ſtrahlt in unſere Augen; der Wagen raſſelt fürchterlich auf dem Pflaſter, die Poſtillone knallen übermäßig mit ihren langen Peitſchen, und vor einem der zahlreichen Kaffeehäuſer hält eine große Orgel und ſpielt aus Rigoletto: Donna é mobile Comme il vento!————
Das Hötel zur Poſt in Chiavenna war früher in der Hand eines deutſchen Wirthes und ein ſehr guter Gaſthof, jetzt wird es von Italienern verwaltet und man iſt gezwungen, ſich mit den ärmlichen vernachläßigten Einrichtungen des Hauſes zu begnügen, da es das Einzige iſt, in welchem fremde Reiſende ein Unterkommen finden. Wir erhielten die beſten Zimmer gegenüber der maleri⸗ ſchen Ruine des alten Schloſſes von Kleven, die ich bei meinen früheren häufigen Reiſen nach Italien ſo oft geſehen. Sehr ermüdet, wie wir alle waren, legten wir uns bald zur Ruhe und ſchliefen nun zum erſtenmal jenſeits der Alpen wie wir zu Hauſe ſagen, feſt und ungeſtört wie in der Heimath.


