Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Erſtes Kapitel.

Hohenems ſein, wo zur gleichen Stunde ein guter edler und lieber Freund an einer ſchweren Verwundung auf ſeinem Schmerzens⸗ lager ruht und nichts davon weiß, daß von ihm in geringer Entfernung Perſonen vorüberziehen, die tief bewegt an ſein Leid, an ſeinen Schmerz denken, die mit ihm fühlen, von deren Lippen eine gute ſanfte Nacht für ihn erfleht wird ein Flehen, das wie ein Gebet klingt! Doch wir eilen dahin, immer weiter in die Nacht hinaus, um uns zittert der Schein der Wagenlaternen, vorüber huſchen Bäume und Häuſer, jetzt rollt der Wagen weich im Sande dahin, jetzt raſſelt er durch ſtille Ortſchaften, die laut⸗ los, ſcheinbar ohne Leben daliegen, und deren Häuſer uns faſt erſtaunt betrachten, wie aufgeſchreckt aus tiefem Schlaf durch den Knall der Peitſche und das Traben der Pferde.

Neben mir im Wagen ſaß ein ſehr artiger Schweizer, der mich unter anderm auch über das Telegraphennetz unterhielt, das nun im Begriff iſt, ſich mit großer Schnelligkeit über alle Kan⸗ tone auszuſpannen; auch an unſerer Straße ſtanden ſchon die Stangen mit Glashut und Drähten und reichten ſich die Hände, auf dieſe Art einen magiſchen Kreis um die Länder ziehend. Der letzte Anſtoß zur ſchnellen Errichtung der hieſtgen Telegraphen wurde bei einem Mahl in Genf gegeben, wo dortige und Baſeler Kaufleute den Entſchluß faßten, im Nothfall auf eigene Koſten durch eine Linie dieſe beiden Städte und Bern zu verbinden; als kluge Leute aber wandten ſie ſich vorher noch an den Bund, der denn auch nach kurzer Berathung beſchloß, dieſe wichtige Sache ſelbſt und ſchleunigſt in die Hand zu nehmen. Alle Kantone und ſelbſt die einzelnen Gemeinden intereſſirten ſich lebhaft dafür; letztere lieferten Stangen und Platz auf eigene Koſten, und ſo ging denn die Ausführung raſch von ſtatten. Da ſich die Bureaur meiſtens mit den Poſtämtern vereinigt finden, ſo ſind die Aus⸗ lagen für Beamte und Betrieb ziemlich mäßig. Die Zinſen der ganzen Anlage, ſowie die Unterhaltungskoſten ſollen ſich jährlich auf 300,000 Fr. belaufen, wovon ſchon jetzt die Hälfte durch