Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Nach Italien. 5

bei Untertürkheim die zierlichen Geländer der ſo eben neuentſtan⸗ denen eiſernen Gitterbrücke wohlgefällig in ſeinen klaren Fluthen abſpiegeln. Zur Linken haben wir die Abhänge der Berge, welche die Eiſenbahn tragen, auf ihnen alte und neue Schlöſſer, Wart⸗ thürme, an ihrem Fuß freundliche Dörfer, meiſtens in kleinen heimli⸗ chen Nebenthälern liegend. Die Ernte iſt aller Orten vorüber, kaum weht der Wind über die Stoppeln, und ſchon wird ein Theil der Felder von dem unerſättlichen Menſchengeſchlecht wieder zu neuem Dienſt vorbereitet; der Pflug reißt hier die dampfende Erde auf, dort wird die Seele der Landwirthſchaft ausgebreitet, und wäh⸗ rend man an dieſer Stelle noch Kartoffeln ausgräbt, wirft man drüben ſchon wieder die Winterſaat aus. Aber dieſes Leben, dieſe Bewegung in der herbſtlichen Landſchaft iſt ſo mannichfaltig, ſo ſchön, die Erde hat ſich, nachdem ſie alles hingegeben, mit dem armſeligen Ueberreſt ihres reichen Sommers herrlich geſchmückt, und lächelt uns noch einmal freundlich zu, ehe des Winters kalte Hand über ſie dahinfährt und von ihr ſtreift den letzten Schmuck, die gelben und rothen Blätter, die ſchon jetzt bei jedem Lufthauch,

ahnend ihr baldiges Vergehen, ängſtlich an den matten Stielen

zittern. Die Gärten, an denen wir vorüberdampfen, ſehen ſchon recht traurig und verwahrlost aus, die halbvertrockneten Stängel und verwelkten Kräuter ſind niedergetreten; Unkraut wuchert triumphirend über ſie empor und lacht recht höhniſch zu den hohen Dahlien auf, die geſtern noch ſtolz ihre bunten Köpfe trugen, und ſie jetzt, durch den Reif verletzt, tief und traurig herabhängen laſſen. Die gelben Capuciner haben ſchon ein zäheres Leben, und ihre hellen Blumen leuchten noch ziemlich friſch aus dem dunkeln Laub hervor; vorbei vorbei! Dort in einem Wald⸗ winkel weidet eine Schafherde, und die weißen Thiere treten aus dem Grün deutlich hervor, der Hirt und ſein Hund ſchauen uns nach, der Mann iſt nachdenkend, er hat ſo traurige Gedanken über die Eiſenbahn und das wilde Getriebe, das mit ihr hier in den ſtillen Thälern entſtanden.