Erſtes Kapitel.
Während wir nun auf der einen Seite an dem Fluß dahin⸗ fahren, der bald den Eiſenbahndamm beſpült, bald in einem wei⸗ ten Bogen das fruchtbare Thal durchzieht, kreuzen wir häufig die alte Landſtraße und ſauſen hier an Fußwanderern vorbei, die alle das Geſicht gegen uns kehren, oder an Frachtwagen, die mit weißem Tuche überdeckt ſind und, obgleich mit kräftigen Pferden beſpannt,
doch gar nicht von der Stelle zu kommen ſcheinen. Das alles
laſſen wir im Augenblick hinter uns, und wenn wir uns dort oben am Berge das weiße Haus mit ſeinen grünen Läden und rothem Ziegeldach betrachten, und die Augen feſt darauf heften, ſo kommt es uns vor, als drehe ſich das Gebäude langſam, um uns nachzuſchauen. Neben dieſem Hauſe, nicht weit davon, ſteht ein altes graues Kirchlein mit ehrwürdigem Schlafmützenthurm; von ihm aus gehen zwei weiße Mauern, die wie zwei lange Arme den ſtillen Friedhof umfaſſen; auch das Kirchlein ſchaut uns mit ſeinen gothiſchen Fenſtern grämlich nach, ſcheint aber dabei die Arme feſter zuſammenzuziehen und flüſtert wahrſcheinlich zu den Ruhenden hinab, die früher auch hier vorüberzogen im Sonnenglanz und Leben: Laßt ſie nur dahinſauſen mit ihrem Feuerwagen, das hat alles ſein Ende, und auch die da unten werden über kurz oder lang ihr Plätzchen finden; ſchlaft nur, ſchlaft! Es iſt gut, daß in dieſem Augenblick eine Schaar luſtiger Tauben von dem Hügel nebenan emporfliegen und alle trüben Gedanken zerſtreuen, denn man blickt ihnen gern nach, wie ſie ſo dahinſchießen mit ihrem glänzenden Gefieder, bald in einem dichten Haufen, bald weit aus⸗ einander und zerſtreut, und wie ſie nun dort auf der Höhe lang⸗ ſam einfallen neben einem Bauer mit Ochſen und Pflug, der gegen den klaren blauen Himmel wie eine dunkle Silhouette ab⸗ ſticht. Aber an allem dem fliegen wir vorüber, immerzu, immerzu! Jetzt rast die Maſchine mit aller Kraft dahin, jetzt fühlen wir, wie ſie langſam ihren Lauf mindert, um pfeifend und ſtöhnend endlich anzuhalten, eine neue Station mit altem bekanntem Leben. Paſſa⸗ giere, die ſich herandrängen, bald gleichgültig ausſchauend, bald


