Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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= 273 zeugt vielleicht auch: die Zeit drängt, aber bei meiner Rückkehr ſo ging ſie auch zu Thätlichkeiten über, indem ſie ihre Hand auf ſeinen Arm legte, und vielleicht erwie⸗ derte: Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder oder auch:

Ich habe die Jugend verträumt.

Dergleichen nun unter gewöhnlichen Verhältniſſen an⸗ hören zu müſſen iſt ſchon ſehr langweilig; wenn man aber Aehnliches genießen ſoll, untermiſcht mit Klagen über mangelndes Waſſer bei brennendem Durſte und geſpickt mit allerlei ſonſtigen Seufzern, nachdem eine unerbittliche Eiſenbahnglocke ſchon lange zum zweiten Mal geläutet hat, ſo iſt dies eine peinliche, ja ſchweißtreibende Situation, na⸗ mentlich an einem warmen Sommerabend wie der heutige.

Vergeblich hoffte Herr Kohler, daß der Conducteur ein⸗ treten würde und ſich mit fragendem Blicke umſchauen; vergeblich ſpähte er ſogar nach der Wirthin zurbunten Katze, und obgleich er ſie zu haſſen begann, ſo wäre ihm doch ihr Anblick im jetzigen Momente ſehr erwünſcht ge⸗ weſen; er hätte ausgerufen: hier bin ich, retten Sie mich! und ſie, deren Hand bekannt war daran dachte er ſchau⸗ dernd wäre mit der dünnen Friederike Federbach fertig geworden und hätte ihr die gute Beute nicht gelaſſen.

Jetzt kam Herr Weller athemlos vom Stationsgebäude her; er trug etwas in ſeiner Hand, und ſeine Gemahlin, die gierig hinausſchaute, fing ſchon an, die Lippen abzu⸗ lecken. Da ſo kann ein hartes, unerbittliches Schickſal oft mit den ſüßeſten Gefühlen der Menſchen auf tückiſche Art ſpielen traf kurz vor dem Waggon ein ebenſo wohl⸗ genährter Reiſender, wie Herr Weller war, in ebenſo haſti⸗ gem Laufe mit dieſem zuſammen: der Zuſammenſtoß war furchtbar, und in der nächſten Sekunde hörte man ein Glas

auf dem Boden klirren. Die einſtige Friederike Feder⸗ Hackländer, Tag und Nacht. II. G 18