Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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litten haben? Sie hatte ihren Arm auf das Fenſter des Waggons geſtützt und blickte nach dem Monde, der am heutigen Abend ſchon ſo Vieles hatte mit anſehen müſſen, und der auch jetzt nicht einmal ſein Geſicht verzog, als ſich Madame Weller wahrſcheinlich mit der Frage an ihn wandte: warum ſie denn eigentlich geboren ſei?

Waſſer brachte ihr Ungeheuer von Mann immer noch keines, und wie er ihre Seele verſchmachten ließ, ſo war es ihr auch gewiß, daß er den Verſuch machen werde, ihren Körper verdurſten zu laſſen. Sie war feſt davon über⸗ zeugt, wenn ſich drüben bei dem Bahnhofgebäude ein gan⸗ zes Dutzend Brunnen, jeder mit vierzig Fuß Waſſerhöhe befände, Herr Weller würde ſie alle ausſchütten, wenn ihm das möglich wäre, ehe er nur einen Tropfen zu ihrer Er⸗ quickung herbei brächte.

Das dachte die geweſene Friederike Federbach, und Aehnliches ſprach ſie aus, freilich nicht wie wir in gemeiner Proſa, ſondern in Citate berühmter Dichter gekleidet und dabei wurde ihre Stimmung ſo elegiſch, daß ſie, als nun die Stationsglocke das erſte Signal gab, förmliche Grabgedan⸗ ken hatte und mit ſtarr aufwärts gerichteten Augen ſprach:

Schwermuthvoll und dumpf erſchallt Geläute Vom bemoosten Kirchenthurm herab.

Der ehemalige Makler wäre ſo gerne dieſer elegiſchen Stimmung der alten Neuvermählten und dem Waggon ent⸗ flohen, denn er wußte, daß mit einem Courierzuge nicht zu ſpaſſen iſt. Aber Madame Weller hielt ihn feſt, theils mit Worten, theils aber auch mit Anwendung wirklicher Ge⸗ walt; denn wenn der wie auf Kohlen ſitzende Kohler ein⸗ leitende Abſchiedsworte ſprach, wie unter Anderem: Wenn ich alſo in nächſter Zeit oder: beim flüchtigen Aufent⸗ halt auf einer Eiſenbahnſtation iſt es unmöglich oder: ausgeruht von den Beſchwerden einer Reiſe bin ich über⸗