— 269— ihm bekannt vorkam, und deren Klang ihn raſch in den Schatten des Gebäudes zurücktreten ließ.
Herr Kohler, der von Natur nicht neugierig war, fühlte hier plötzlich die Luſt, den Grund jenes lauten Lachens zu erfahren. Und er brauchte ſein Gehör nicht zu ſehr anzuſtrengen, um zu vernehmen, daß zwei weibliche Stim⸗ men hier in einer für ihn nicht unintereſſanten Unterredung begriffen waren. Das Lachen der bekannten Stimme hatte aufgehört, dann ſagte eine andere ihm unbekannte:
„Ich kann Sie verſichern, Frau Wirthin, ich ſah Sie heute Nachmittag mit dem fremden Herrn auf dem Balkon ſtehen, und dachte mir gleich: was das für ein Paar wäre! — Hat er gute Koffer bei ſich?“—
„O ja, gut und recht ſchwer. Aber laſſ' Sie Ihre Reden, Frau Steffen. Ich kann Sie verſichern, der paßte kaum für mich.“
„Freilich nicht mehr jung, aber das hat nichts zu ſa⸗ gen, der Selige war noch älter.“
„Ich ſage Ihr, der paßt nicht für mich, das ſcheint ſo ein Herumtreiber zu ſein; es iſt eilf Uhr vorüber, und er iſt noch nicht einmal zu Haus.“.
„Und da hätten Sie noch Angſt,“ ſagte Frau Steffen lachend,„wenn Sie den ſcharf in Zucht nehmen?— O Frau, darüber muß ich lachen.“
„Meint Ihr?“
„Ja, ja,“ fuhr die Andere vergnügter fort;„es wäre eine Freude zu ſehen, wie Sie den zurecht brächten.— Kenne ich doch Ihre Hand.“
Und nun lachten die beiden Weiber ſo laut und mit ſo außerordentlichem Behagen, daß dem Horcher die Haut ſchauderte. Faſt hätte er ſein Hierſein verrathen, ja er war ſchon im Begriffe, mit einem ſehr freundlichen:„Gu⸗ ten Abend!“ hervorzutreten,— da brauste der Courierzug


