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V ehe er es wagte, klopfenden Herzens die Treppe hinan zu
V ſteigen und droben die Klingel zu ziehen.— Wie, wenn
V auch der Diener ausgegangen, wenn Niemand in der Woh⸗
nung wäre, der ihn einlaſſen könnte, wenn er alle die grenzenloſen Emotionen, die ihn ruhelos umhergetrieben, umſonſt ausgeſtanden hätte!—
Doch nein, das Glück war ihm günſtig, der Diener
I Victor's öffnete die Thüre, betrachtete den Beſuch einiger⸗
maßen erſtaunt, glaubte aber den Worten des Herrn Weller, er ſei zurückgekehrt, um Herrn Barring, der bald nach Hauſe kommen werde, hier zu erwarten, und nahm deshalb auch durchaus keinen Anſtand, ihn in das Appar⸗ tement einzulaſſen.
Herr Weller ſchaute, als er ſich nun allein ſah, tief aufathmend einen Augenblick unruhig umher, er wagte es nicht, ſogleich an das Fenſter zu treten, weniger aus Furcht vor dem zu beſtehenden Abenteuer, als weil ſich in ſeiner Phantaſie die Idee feſtgeſetzt hatte, wenn er hinaus ſchaue, bemerke er drunten unfehlbar irgend ein fabelhaftes Unge⸗ heuer oder dergleichen, einen Drachen zum Beiſpiel mit
Schwanz, Flügeln und furchtbarem Rachen, der zu ihm herauf blicke, ſanft mit den Augen zwinkere und in Er⸗ wartung des fetten Bratens die Lippen ablecke. Woher es kam, daß ein ſolches Bild durch ſeine Seele ſchritt, war er nicht im Stande ſich klar zu machen; am glaubwürdig⸗ ſten ſchien ihm ſelbſt, daß ſein Blut durch den raſchen Lauf ſchneller pulſire und daß ſeine Nerven aus begreif⸗ lichen Urſachen erregt ſeien.
V Endlich trat er behutſam an's Fenſter und ſchaute hin⸗
aus. Und da mußte er über ſeine Träumereien lachen,
wenn er in den ſtillen Garten hinab blickte, wo die heiße Mittagsſonne auf den Blättern der Bäume lagerte, die
ruhig und regungslos auch nicht von dem leiſeſten Luftzuge


