— lAa— deſſen Thüre ſie hinter ſich in's Schloß drückte, aber gleich darauf wieder zu einem kleinen Spalte öffnete.
Victor ſtand da in dem dunkeln Gange und blickte durch die kleine Oeffnung in ſtille, heitere, freundliche Räume, die mit warmer Luft und Sonnenglanz angefüllt waren. Hier tiefes, trauriges Dunkel, dort wohlthuende Helle. Er wußte ſelbſt nicht, warum ihn hier dieſer Unterſchied ſo unendlich ſchmerzlich berührte— Tag und Nacht. Sein Herz fühlte ein Weh, wie er nie zuvor gefühlt, wie er nie geglaubt, daß es möglich ſei, es zu empfinden; es war ihm, als ſähe er in ſeine Zukunft, er ſich ſelber unglücklich tief im Dun⸗ kel, ſie dagegen glücklich auf den ſtrahlenden Höhen des Lebens.— Und hatte er doch bis jetzt immer in dem Glauben fortgeträumt, ſein und ihr Schickſal laufe noch einmal ſchön und friedlich neben einander hin in ſüßer Har⸗ monie.— Da war mit ſchrillem Schmerzenslaut die Saite zerriſſen!—
Und doch konnte er nicht fortgehen von hier; es hielt ihn an der Stelle gebannt, wo er zu ihr hineinblicken konnte, wo er ſie ſah auf ihrem kleinen Lehnſtuhle ſitzend, auf der glänzenden, ſonnigen Terraſſe unter Grün und Blumen.— Das junge ſchöne Mädchen hatte ihren Kopf erhoben und blickte empor an den tiefblauen Himmel, wie es ſchien, zarten duftigen Wolkenſtreifen nach, die gleich Schleiern langſam gegen Weſten flatterten. Auf ihren Zügen lag ein unbeſchreiblich ſchöner Glanz des Friedens und der Ruhe; ſie bewegte leiſe ihre Lippen, als ſpräche ſie, verſunken in den Anblick des wunderbaren Tages, dankbar für die ſchöne, weite, gewaltige Schöpfung, in der ſie athmen durfte, ein Gebet vor ſich hin, oder viel⸗ leicht, was ja doch gleich bedeutend iſt, die begeiſterten, tief fühlenden, anerkennenden und dankbaren Worte des Dichters.


