Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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Und er ſoll es wiſſen, wo Sie ſind?

Ja, ſagte die Frau nach einem längeren Zaudern, wenn er Ihnen verſpricht, ſich mir dann erſt zu nähern, wenn ich wünſche, ihn wieder zu ſehen.

Das ſind harte Bedingungen.

Meine letzten, ſprach Madame Stifter entſchloſſen. Und ich fühle, es iſt beſſer ſo, Victor. Ein ſcharfer, tiefer Schnitt iſt vielleicht allein im Stande, eine verſteckt gelegene Wunde zur Heilung zu bringen.

Aber mir werden Sie erlauben, Thereſe, ſagte der junge Mann, indem er ihre Hand faßte,mich hie und da nach Ihnen zu erkundigen? Sie verſprechen, mir zuweilen Mittheilungen zu machen, wie es Ihnen geht?

Wenn dies möglich iſt, ohne mich und meine neue Stellung zu compromittiren, ja.

Gut denn und ich werde Ihnen beweiſen, daß Sie an mir einen Freund haben, der für Ihr Beſtes ſorgen wird. Das Weitere in Ihren Angelegenheiten überlaſſe ich Herrn Kohler, einem Ehrenmann, dem Sie völlig ver⸗ trauen können.

Er drückte der Frau herzlich die Hand, winkte den Kindern freundlich zu und verließ mit einem kurzen Worte des Abſchiedes gegen Herrn Kohler das Zimmer.

Draußen der Corridor war tief ſchattig, ſtill und kühl; heute beſonders kam es Victor hier ſo außerordent⸗ lich dunkel vor. Er blieb einen Moment ſtehen, drückte ſeine Hand vor die Augen, und alle Erlebniſſe von geſtern und heute jagten in einem wilden Reigen an ſeinem Ge⸗ dächtniß vorüber.Es koſtet mich viel, ihr mein Wort zu halten, murmelte er leiſe vor ſich hin.O es iſt gefährlich, entſetzlich, einen Dank vor geſchehener That an⸗

zunehmen. Er ging der Treppe zu, nicht ohne einen be⸗ ſorgten Blick nach rechts zu werfen, wo ſich die Zimmer