— 318— zu erinnern, daß Sie mich früher als einen treuen Freund betrachteten,— glauben Sie mir, daß ich ihm vor wenig Stunden härtere Dinge geſagt, als er je von einem Menſchen gehört hat, daß ich ihn von ſeiner tiefen Schuld überzeugte; eigentlich unnöthiger Weiſe, denn er ſah ſie ſelbſt ein, ſo daß er nun ſein Unrecht genug kennt, um vor jedem Rückfall bewahrt zu ſein, wenn—“
„Wenn ich,“ rief die Frau mit leidenſchaftlicher Hef⸗ tigkeit, indem ſie emporſprang,„wenn ich auch ferner über mich ergehen ließe, was ich bisher über mich ergehen ließ; wenn ich fortan duldete und litte. Nicht wahr, Herr Bar⸗ ring?— ſo will es Ihre Freundſchaft für mich. O ich habe Ihre Worte verſtanden, Sie ſo wenig wie er begreifen es, daß man in einer ſtillen, geordneten Häuslichkeit glücklich ſein kann. Ja, ihr ſeid Künſtler und glaubt mit dieſem Worte alle Schranken niedertreten zu können. Was iſt euch das Glück eines ſtill zufriedenen Weibes, das Lächeln armer Kinder, die ſelig ſind bei ihren harmloſen Spielen, wenn der Vater ſie zuweilen mit ihnen theilt.— Was iſt euch Alles das? — langweilig, proſaiſch, gegenüber den andern Freuden, die euch draußen erwarten, wenn ihr die beengenden Räume eures Hauſes hinter euch habt!— Dort iſt eure Welt, wo weiche Teppiche jeden Schritt, jede Bewegung dämpfen, wo man flüſternd ſprechen muß, um ſich nicht durch laute Worte zu verrathen, wo hell glänzende, ſtrahlende Lichter nur um ſo tiefere Schatten bilden, wo ihr gefeiert ſeid, ange⸗ ſtaunt durch euer Talent, durch eure hinreißende Unterhal⸗ tungsgabe, die ihr dort zu entwickeln verſteht, wo euer Auge durch nichts Alltägliches verletzt wird, wo ihr, in weichen, ſchwellenden Fauteuils ruhend, die reizendſten, ge⸗ fälligſten Frauen um euch ſeht.—— O ich begreife das vollkommen, das iſt ein anderes, herrlicheres Leben.“
Das junge Mädchen im Nebenzimmer, jede Sylbe ſelbſt


