Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Flügels dringen, den eine kundige Hand ſpielt, eine kundige Hand, die vom Herzen geleitet wird. Nicht die Lieder feſſeln uns, die gerade Mode ſind, es müßte

denn ſein, ſie würden ſo vorgetragen, daß man mit dem Componiſten und Sänger fühlen kann, daß wir mit ihm das Leid und die Freude empfinden, welche ſeine Weiſe ausdrücken ſoll, daß wir mit ihm ziehen ſehnſüchtig nach fernen Ländern, oder daß wir wehmüthig rückwärts blicken auf unſere dahin geſchwundene Jugendzeit.

Da haben wir vor uns ſo ein Fenſter, aus dem Piano⸗ forteklänge dringen, wie wir ſie gerne hören; es iſt im zweiten Stock eines anſehnlichen Hauſes, die Jalouſieläden ſind geſchloſſen, doch ſtehen die Glasflügel der Fenſter offen; das ergibt ſich aus der Deutlichkeit des Tones, wie er zu uns herausdringt. Es ſind dort oben mehrere Fenſter er⸗ hellt, vier neben einander, und wenn wir aufmerkſam lauſchen, ſo iſt es uns gerade, als vernehmen wir auch lachende und plaudernde Stimmen und zuweilen das Klingen eines Glaſes; dazwiſchen aber ertönt das Piano, und nicht in ſolchen Weiſen, wie ſie wohl zum freudigen Aneinanderſtoßen der Gläſer paſſen. Hier würde es uns gar nicht wundern, wenn wir auf einmal eins der alten Trink⸗ und Geſellſchaftslieder hörten:

Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſere Reben oder: An des Rheines kühlem Strande Steh'n viel Burgen hoch und hehr.

Es würde das ganz gut paſſen zu der lauen Mond⸗ ſcheinnacht, zu den fröhlichen Stimmen, zu dem ſo be⸗ zeichnenden Klingen der Gläſer.

Aber die Muſik tönt ernſt dazwiſchen; die Meiſterhand, welche aus den lebloſen Taſten dieſelbe hervorzaubert, läßt ſie daherbrauſen in gewaltigen, wilden, wie ſchmerzerfüllten,