Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

ſich zwei junge liebende Weſen um die erſte Stunde der Nacht allein im Garten finden, wo die Lilas duften, wo die Blumen discret ihre Augen geſchloſſen, und wo ihnen Niemand zuſieht als der Sternenhimmel droben. Nicht zu vergeſſen der Lichtſchein, auch der hat verrätheriſch um die Ecke des Hauſes gelugt, und als ſie nun wieder allein im Zimmer iſt, tief aufathmend und eigenthümlich lächelnd, während das junge Mädchen ſinnend in die Flamme blickt, wobei ſie beruhigt auf die Todtenſtille lauſcht, die über dem ganzen Hauſe liegt, da ſcheint es ihr auf einmal ein⸗ zufallen, daß der Schein ihres Lichtes ja auch draußen ſichtbar war und o der Grauſamkeit dieſes jugendlichen Herzens! ſie iſt Tyrannin genug, die Lampe zu löſchen.

Verſchwunden iſt des Lichtes Glanz, Nacht überall, erloſchen der helle Schein; und das hat das junge Mäd⸗

chen gethan. Aber, vergiß nicht, Kind mit dem klopfen⸗ den Herzen in der vollen Bruſt, daß morgen die Sonne aufgeht und dein Haus beſcheinen wird, die Flieder, unter der du geruht, dich ſelbſt dann nicht mehr beſchützt von dem geſtirnten Himmel, der ſich mit geſchloſſenen Augen von dir abwenden wird.

Neben uns an der Thalwand raſchelt und rauſcht es, zuerſt in der Entfernung leiſe, dann kommt es näher, und von der Stille der Nacht begünſtigt unterſcheiden wir bald die Schritte eines Mannes, der gerade aus geht, ohne ſich darum zu bekümmern, ob er dem richtigen Pfade folgt, der quer durchbricht, nicht Graben, Hecken, noch Gebüſche ach⸗ tend, mit einem Worte eines Mannes, der auf verbotenen Wegen geht. Eine ziemliche Strecke vor uns erreicht er die Straße, bleibt dort angekommen einen Augenblick ſtehen; vielleicht blickt er nach dem Hauſe zurück, wo eben das Licht erloſchen, vielleicht horcht er auch auf unſere Schritte. Aber nur wenige Sekunden ſteht er ſtill, dann eilt er dort⸗