Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Herbſt⸗ at Mai

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Das Rauſchen des Baches und das Concert der Fröſche würde ſich vor unſerem Ohr willig in eine luſtige Muſik verwandeln. Aber es iſt ein einſames Licht, ein ſtilles, unbewegliches Licht; es blitzt ſo gleichförmig aus dem Thale herauf; es wird nicht heller noch dunkler.

Schauen wir einigermaßen ſternkundig an den Him⸗ mel empor; wenn wir unſere Taſchenuhr nicht zu Rathe ziehen wollen, ſo werden wir finden, daß die Nacht ſchon weit vorgerückt iſt, Mitternacht vorüber; wir ſchreiten der erſten Stunde des neuen Tages entgegen. Sind doch rings umher, mit Ausnahme der ewigen da oben, alle Lichter längſt erloſchen; warum zögerſt du dort unten, ein Gleiches zu thun? Welches Recht haſt du, die Nacht zu ſtören und unſere Gedanken zu beunruhigen? Ah! wir ſind im wunderſchönen Monat Mai, wo alle Knoſpen ſprangen; vielleicht iſt unten auch ein Herz, in dem die Liebe auf⸗ gegangen; vielleicht erhellt das Licht nur ein einſames Zimmer. Es war ein Zeichen, weithin ſichtbar, wurde weithin geſehen und übte gewaltige Anziehungskraft. Die Beſitzerin des Lichtes, die Bewohnerin des jetzt ſo einſamen Zimmers wandelt zur Stunde im nächtlich dunkeln Garten, wo die Lilas duften, wo Büſche und Blumen auf und nieder nicken, unter dem Auge der ewigen Sterne ihren mitternächtlichen Gottesdienſt feiern, einen Dienſt des Ent⸗ zückens und der Liebe, der mitgefeiert wird von zwei lieben⸗ den Weſen, welche die Soloſtimmen flüſtern in dem allge⸗ meinen Nachtconcert ich liebe dich! o wie ich dich liebe! Die Lilas haben etwas Berauſchendes, ſie laſſen uns ſo gern vergeſſen der engen Grenzen, die wir Menſchen ſo beengend um unſer Thun gezogen; und dazu blicken die Sterne ſo beruhigend herab, ſo beredt ohne Worte, ſo ſtill

und verſchwiegen, ſo mild und verſöhnlich, daß es daß

es nach gewöhnlichen Begriffen nicht wohlgethan iſt, wenn