Teil eines Werkes 
4. Bd. (1863)
Entstehung
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298 Achtundfünfzigſtes Kapitel.

Wir zweifeln, ob ſie Richter's Phraſe vollkommen verſtanden, denn trotzdem er ſich bemüht, dieſelbe ſo italieniſch als mög⸗ lich zu geben, waren ihm doch einige lateiniſche Wörter mit untergelaufen, die ihr gewiß unverſtändlich waren. Dann ging ſie ein paar Schritte vorwärts, und als ſie dicht vor den Geſtellen ſtand, ſagte ſie, ſich umſchauend:„Bei Euch zu Lande habt Ihr wohl keine Seidenwürmer, Don Enrico?“

„Es gibt wohl auch dergleichen bei uns, wie ich in den Zeitungen geleſen,“ verſetzte Richter, indem er ſanft ſeinen Schnurrbart kräuſelte;„geſehen habe ich noch keine, es iſt wohl auch nicht der Rede werth; denn wenn man dort von der Seiden-Ernte irgend eines Dilettanten, der ſich damit abgibt, hört, ſo iſt ein halbes Dutzend Pfund ſchon was Unglaubliches; es iſt bei uns nicht warm genug für die Seidenraupen⸗Zucht.“

„Ja, es muß bei Euch recht kalt ſein, wie ich ſchon ge⸗ hört,“ erwiderte Marietta;„nicht wahr, Ihr habt das ganze Jahr Eisberge und Schnee? Da möchte ich nicht leben.“

„Nun, ſo arg iſt es gerade auch nicht, obgleich es hier viel ſchöner iſt; wir haben Monate lang eine Hitze, die der von Neapel nicht nachſteht.“

„Ei, ſeht doch!“ rief das junge Mädchen.

„Und Wein haben wir auch die Hülle und Fülle.“

„Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſ're Reben!“ ſang Richter lachend, und überſetzte darauf, was er geſungen, wobei er hinzuſetzte:„Der Rhein iſt ein großer Strom, an dem ich geboren bin.“

„Und jetzt ſeid Ihr hieher gekommen, um allerlei Dinge bei uns abzuzeichnen? Könnt Ihr mich nicht auch einmal zeichnen?“