296 Achtundfünfzigſtes Kapitel.
ſein konnte, verſtand ſich von ſelbſt, was hätte ſie auch ſo lange dort machen ſollen? Die Thür des Anbaues war an⸗ gelehnt, er öffnete ſie, und nachdem er hineingetreten, ſah er, daß das junge Mädchen allerdings nicht mehr da war, doch bemerkte er hier ihm bis jetzt ganz fremdartige Dinge, die ſeine Aufmerkſamkeit ſo ſehr in Anſpruch nahmen, daß er näher trat und mit Intereſſe hinblickte.
In dem mäßig erhellten, ſtallähnlichen Raume zeigten ſich Brettergeſtelle, mehrere über einander, auf einigen waren flache Körbe, in denen Tauſende von grauen Seidenwürmern auf jungen, grünen Maulbeerblättern herumkrochen und unauf⸗ hörlich fraßen, auf anderen ſah man Reiſigbüſchel, zwiſchen deren feinen Zweigen unzählige, mattglänzende, gelbe und weiße Cocons hingen. Es war eine Seidenzucht⸗Anſtalt, wie man ſie um Neapel in den meiſten Bauernhäuſern findet und ſomit hier etwas ganz Gewöhnliches, für den jungen Mann aber ſo neu, daß er ſich auf eine Holzbank vor den Brettergeſtellen niederließ und das Getreibe der kleinen Thier⸗ chen mit großer Aufmerkſamkeit betrachtete. Es erſchien ihm ein mühſeliges und langweiliges Geſchäft, wenn er bedachte, wie viele Tauſende dieſer kleinen Spinner zu einigen Ellen Seidenzeug nöthig ſeien, über deſſen Urſprung man ſo ſelten nachdenkt. Das Freſſen dieſer Geſchöpfchen, ſo winzig ſie auch waren, verurſachte ein förmliches Geräuſch wie ein entfern⸗ tes Summen, und wenn er davon wieder die Augen auf die Reiſigbüſchel wandte, ſo kamen ihm dieſe mit ihren frucht⸗ ähnlichen, glänzenden Geſpinnſten ſo appetitlich vor, daß er gern ſelbſt abgepflückt hätte und wohl begriff, wie ſich nied⸗ liche Finger mit dieſer Arbeit beſchäftigen konnten.
Ein leiſes Knurren hinter ihm ſtörte ihn in ſeinen Be⸗


