278 Siebzigſtes Kapitel.
„ſagen Sie mir um des Himmels willen, wie kommen Sie hieher, und ſo wohlbehalten? Nach den Berichten unſerer Leute ſind Sie zehnmal erſchoſſen worden, und Ihre Gebeine ſollten von Rechts wegen in irgend einer unzugänglichen Schlucht bleichen. Sind Sie's denn in der That?“
„Gewiß, Herr von Marlott, ich bin es, wohlbehalten bis auf die kleine Verwundung, die ich aber damals ſchon hatte, als Sie mich ſo freundlich und theilnehmend be⸗ handelten.“
„Hole der Henker dieſe Theilnahme! Ich hätte Sie wahrhaftig vor dem Erſchießen nicht retten können! Ja, wenn mein Hauptmann nicht eine ſo giftige Feuerzange ge⸗ weſen wäre! Aber glauben Sie mir,“ ſetzte er vertraulich hinzu,„es war kein Menſch glückſeliger, als ich, als mir Ihr Entkommen gemeldet wurde, und erſt die Wuth und der Jammer des Capitano! Ich hätte mich todtlachen können, mußte aber ein ernſtes Geſicht machen, denn mein würdiger Chef hatte mich ſo in Verdacht, Ihnen ein bischen behülflich geweſen zu ſein.“
„Kam die Wirthin des Hauſes durch meine Flucht in Ungelegenheit?“ fragte Richter angelegentlich.
„Es ging bei ihr allerdings ſcharf am Eingeſtecktwerden vorbei, doch war der Major ſo vernünftig, zu erklären, daß man mit Weibern keinen Krieg führe, und ſonſt konnte man niemand etwas beweiſen; der dicke Wirth zur ‚goldenen Zwiebel’ wurde ſchlafend in ſeinem Bette gefunden und die beiden Kerle, die Ihnen geholfen haben, waren mit Ihnen ſpurlos verſchwunden. Was endlich den Hund unſeres
Wirthes anbelangte, der einen unſerer Soldaten tüchtig an der Kehle packte, ſo entging er einer Kugel nur dadurch,
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