Errichtung eines ländlichen Theaters. 299
überdeckt, und als dieſer Verbindungsgang hergeſtellt war, trans⸗ portirte man die Kiſte mit Garderobe und Requiſtten auf den Heuboden, zog vermittelſt einer alten unbrauchbaren Dekoration eine Scheidewand, um die beiden Geſchlechter zu trennen, und übergab darauf den einen auf dieſe Art entſtandenen Raum den Damen zum Ankleiden, den anderen den Herren.
In den Raum für die Zuſchauer wurden nun vorn hin Stühle, dahinter Bänke geſtellt, die etwas höher waren als die erſteren und den zweiten Platz bildeten. Nachdem dies alles ge⸗ ſchehen, auch der Soufleurkaſten aus drei Brettern zuſammen ge⸗ nagelt war, erſchien die Arbeit gethan und das Theater fertig.
Obgleich Herr Trommler während dieſer ganzen Zeit bei ſeiner Arbeit die größtmöglichen Anſtrengungen zu machen ſchien, die für dieſen großen Künſtler um ſo mühſamer waren, als er zu gleicher Zeit unſere Freunde noch unterweiſen mußte, ſo glauben wir doch verſichern zu können, daß er ſich durchaus nicht über⸗ arbeitete. Wenn er z. B. mit einem wahren Ingrimm auf ein großes Faß oder ſchweres Brett losſtürzte und beim Anprallen fand, daß dieſe Gegenſtände nicht geneigt ſeien, ſich ſo leicht be⸗ wegen zu laſſen, ſo beſtand er durchaus nicht hartnäckig darauf, dies doch zu thun, ſondern er ſchwang ſich leichtfüßig über den fraglichen ſchweren Gegenſtand hinweg, um ſeine Kraft an einem leichteren zu üben. Der Prinzipal ſelbſt ſowie deſſen Bruder arbeiteten ausdauernd und hielten ſich ruhig an dem, was ſte ein⸗ mal ergriffen. Holder dagegen ſuchte ſich die ſchwerſten Stücke aus, und wenn auch eines ſeiner Kraft widerſtehen wollte, ſo ſah man, wie ein düſterer Schatten über ſein Geſicht flog und ſich ſeine Muskeln aufs Gewaltigſte anſtrengten, bis das, was er vor hatte, geſchehen war. Oft ſah man ihn bei einer ſolchen Ver⸗


