Errichtung eines ländlichen Cheaters. 293.
„Laſſen wir das,“ ſagte Eugen bittend;„thu mir den Ge⸗ fallen, lieber Freund, und forſche jetzt nicht weiter darüber nach. Nach Tiſche wollen wir zum Schloſſe hinauf und uns da oben ſelbſt überzeugen, ob jene Kapelle vorhanden iſt oder nicht. Es iſt mir das wie ein intereſſantes, geheimnißvolles Buch; ich will es gern Seite für Seite durchleſen, möchte aber um Alles in der Welt zu Anfang nicht erfahren, was auf der letzten Seite ſteht. — Ich bitte dich darum; wir wollen nachher langſam hinauf⸗ ſteigen und uns droben überraſchen laſſen.“
Herr Trommler war aufgeſtanden und an den Rand der Terraſſe getreten.„Es iſt Zeit,“ ſagte er dann;„im Augen⸗ blicke wird's neun Uhr ſchlagen; wir müſſen in den Saal hinauf und den Principal bei Aufſchlagung des Theaters unterſtützen. Es iſt dies allemal eine Art Feſttag für uns,“ ſetzte er freundlich ſchmunzelnd hinzu;„denn wenn das Geſchäft beendigt iſt, wer⸗ den wir alle mit einem ſoliden Mittageſſen regalirt.“
„Bravo!“ entgegnete Eugen;„zuerſt die Arbeit, dann das Vergnügen!— Komm alſo, wir wollen ſehen, welche Dienſte wir beim Aufſchlagen des Theaters zu leiſten im Stande ſind.“
Der große Wirthshausſaal des Gaſthofes zur wilden Roſe befand ſich um die Zeit, als ſich unſere Freunde dorthin begaben, in einer höchſt maleriſchen Unordnung. Es war ein ziemlich langes, auch anſtändig breites und hohes Gemach, hatte auf einer Seite ſechs Fenſter, an den ſchmalen Seiten je eine Thüre, und war, was Wände und Decke anbetrifft, einſtens weiß angeſtrichen geweſen. Doch hatte der Dunſt der Talgkerzen, ſowie der Staub, den die tanzenden Bauern mit ihren ſchweren Stiefeln aus dem nicht allzu feſt gefügten Fußboden herausklopften, dieſer ehemals weißen Farbe einen etwas trüben, grauen Ueberzug verliehen. Auch hatte man ihn vor nicht langer Zeit zum Trocknen von


