Teil eines Werkes 
2. Bd. (1852)
Entstehung
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Clementine Strebeling erhält einen Brief. 7 zuſammen; denn es war ihr, als habe ſte gerade ebenſo Entſetz⸗ liches begangen, wie jenes laſterhafte Frauenzimmer.

Nun, ſagte Katharine,wenn die Choriſtin Sie nicht weiter geärgert hat, dann weiß ich wahrhaftig nicht, was Ihnen zugeſtoßen ſein könnte.

Nicht wahr? ſagte Clementine mit ſchwacher Stimme; denn ſie hielt es ſelbſt für unmöglich, daß ein junger Mann mit ihr einen Blick gewechſelt, und für noch unmöglicher, daß ihr dieſer junge Mann heute Morgen ein zartes Briefchen geſandt, und doch war es in der That ſo. Ja, wir haben es dem Leſer einmal verrathen und müſſen der Wahrheit die Ehre geben. Es würde auch wirklich etwas langweilig ſein, wenn man die vielen Worte wiedergeben wollte, durch welche es der ſchönen Katharine gelungen war, dieſes fürchterliche Geheimniß der alten Jungfer zu entlocken.

Endlich aber war es heraus, die Geſchichte von der Lotos⸗ blume, die ſich geängſtigt vor der Sonne Pracht, dann gebebt und gezittert vor dem jungen Manne, der am gegenüber⸗ liegenden Fenſter aufgetaucht, der ſie gegrüßt, der ihr zugelächelt. Ja, es kam ans Licht der Sonne, daß es heute Morgen am Zimmer der Jungfer Clementine ſanft gepocht, daß hereingetreten war die Magd der Frau Schilder drüben, daß ſie ihr ein Brief⸗ chen überreicht, und daß Clementine dieſes Briefchen, welches ſte im erſten Anflug jungfräulicher Angſt zerreißen wollte, am Ende dennoch geleſen hatte.

O lieber Gott, ſagte die alte Jungfer am Schluſſe ihrer Erzählung, vhier iſt der Brief; aber, beſte Katharine, Sie werden gewiß recht ſchlecht von mir denken, Sie werden mich für ein leichtſtnniges Frauenzimmer halten?

Das junge Mädchen ſchüttelte den Kopf und ſagte unbe⸗