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6 Einundzwanzigſtes Kapitel.
Kopf und dachte, dieſe geſetzte Jungfrau mit ihren ſtrengen Grundſätzen würde ſich nimmermehr dazu hergeben, zu einem ſolchen Unternehmen die Hand zu bieten.
Da wurde die Thüre des Zimmers langſam geöffnet, und die, an welche das Mädchen eben gedacht, Jungfer Clementine in eigener Perſon, ſtreckte den Kopf zur Thüre hinein, um zu ſehen, ob Katharine da ſei.
Dieſe winkte ihr aufs Freundlichſte, einzutreten, was denn auch die alte Jungfer that und ſich an der Seite des jungen Mädchens niederließ, wobei ſie einen außerordentlich tiefen Seuf⸗ zer ausſtieß. Zu gleicher Zeit faltete ſte ſanft die Hände, blickte einige Mal gen Himmel, kurz, ſte geberdete ſich wie jemand, der auf alle Fälle gefragt ſein will: Mein Gott, was iſt Ihnen begegnet?
Dieſe Frage that nun auch augenblicklich die ſchöne Katharine.
Statt aber mit der Sprache heraus zu gehen, affektirte Jungfer Strebeling eine ſehr komiſche Gleichgültigkeit, die ebenſo auffallend war, als ihr Mienenſpiel von früher. Sie ſenkte das Köpfchen auf die eine Seite, lächelte mit niedergeſchlagenen Augen, beſchrieb mit dem Sonnenſchirm von meergrüner Seide allerlei Figuren auf den Boden und lispelte mit ſehr verſchämter Stimme:„Ach, Katharine, was ſollte mir begegnet ſein?
„Es iſt Ihnen aber etwas begegnet,“ ſagte beſtimmt das junge Mädchen,„Sie ſind ganz aufgeregt.“
Ein tiefer Seufzer war die ganze Antwort.
„Nun, ſo reden Sie doch,“ bat Katharine gutmüthig. „Wir ſind ja unter uns Mädchen; iſt Ihnen vielleicht etwas geſchehen, wie neulich? haben Sie ſich über die Choriſtin ge⸗ aͤrgert?“
„Ach, die Choriſtin!“ ſeufzte Clementine und ſchauerte


