Teil eines Werkes 
2. Bd. (1852)
Entstehung
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Clementine Strebeling erhält einen Brief. 5

ja wir ſind in der Nothwendigkeit, eine viel ſchrecklichere Urſache anzugeben. Wir müſſen verrathen, daß dem jungen Mädchen, während ſie bei ihren Blumenkörben ſaß, von einer guten, alten, befreundeten Frau ein Blättchen Papier zugeſchoben wurde, mit Schriftzügen, welche Katharine augenblicklich als die ſeinigen erkannte. Wir müſſen ferner geſtehen, daß ſte beim Empfange dieſes Briefchens auffallend erröthete und daß ſte ſich zu gleicher Zeit ſcheu und ängſtlich umſah; denn die alte Frau Schoppel⸗ mann war in der Nähe. Doch da wir der Anſicht ſind, daß noch niemals einem Mädchen von ihrer Mutter eine derartige Beute abgejagt worden iſt, wenn ſte ſte nämlich rechtzeitig in das Mieder hinab gleiten ließ, ſo können wir auch in dieſem Falle die Verſtcherung geben, daß das Briefchen vor der Hand im alleinigen Beſitze der Jungfer Katharine blieb, ja daß ſte es augenblicklich nach dem Empfang an dem eben angegebenen Orte in ſichere Verwahrung brachte, ohne es vorher geleſen zu haben, wonach es auch Jedermann ſehr begreiflich finden wird, daß dem guten Kinde das Pflaſter des Marktes plötzlich zu feucht vorkam, daß ſie ſich naſſe Füße geholt hatte, und daß ſte mit Erlaubniß der Mutter nach Hauſe gieng. 4 Hier ſehen wir ſte nun, wie ſchon oben bemerkt, in ihrem Zimmer. Sie hatte das Briefchen geleſen und wieder geleſen, und ſchien auf die Vermuthung zu gerathen, es handle ſich in demſelben um ein kleines Rendez⸗vous, das ſich Herr Eugen von ihr erbeten. Aber nicht allein brauchte ſte zu kommen, o nein! er war zu zart, das zu verlangen; er ſchrieb ihr, ſte würde ja wohl eine verſchwiegene Freundin haben, mit welcher ſie, ohn. Verdacht zu erregen, ausgehen könne. Aber Katharine wußte keine verſchwiegene Freundin; ſie dachte hin und her, und wenn ihr endlich Jungfer Clementine einſiel, ſo ſchüttelte ſte mit dem