Teil eines Werkes 
1. Bd. (1852)
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel.

für ein frommes Blumengeſicht anſehen; denn es gibt allerlei Blumen, und Clementinens Antlitz hatte in der That etwas von einer gelben Malve, welche Regen und Sturm getrotzt hat, und übet deren Faxte Blätter ein eiſiger November⸗Wind unbarmher⸗ ig ges jarr. 2, Aber dem ſei wie ihm wolle; Herr Siedel grüßte herüber, Clementinerhinüber und zwar: 6Vor Lie ie ie iebesweh* So ſang der unſichtbare Sänger des eben genannten Liedes mit höchſtem Kraftaufwand ſeiner Lungen und offenbarem Stimmt⸗ mangel.

Alles das ſah Frau Schilder unter ihrer Hausthüre, nur mit ganz anderen Augen und nicht mit ſolch hoher Poeſte. Sie be⸗ merkte recht gut, welchen tiefen Knir die alte Jungfer machte, als jener fremde Herr hinüber grüßte, und wie ihr gelbes, dürres Geſtcht von einer ſanften Röthe überſtrahlt wurde.

Ei, ei, das freut mich, ſprach ſte zu ſich ſelber,das wäre vortrefflich zu benutzen! Nur muß ich mich vor den beiden Büffeln da drinnen in Acht nehmen. Das ſind ein paar tappige, liederliche Tagediebe, denen man nicht zu viel trauen darf. Aha, jetzt knixrt die alte Jungfer abermals, und da ich den Herrn nicht mehr am Fenſter ſehe, ſo wird er ſich zum Weg⸗ gehen rüſten. Warten wir noch einen Augenblick!

Die würdige Frau hatte richtig vorausgeſehen. Die Thüre des muſtkaliſchen Hauſes öffnete ſich wieder, und heraus trat der Schulmeiſter und luſtige Rath, deſſen Beſuch nun zu Ende war und der durch dieſen unglückſeligen Beſuch das Herz der armen Clementine in einigen Aufruhr verſetzt zu haben ſchien. Rich⸗ tig, jetzt geht er die Gaſſe hinab, und ſie beugt ſich zum Fenſter heraus, um ihm nachzuſehen. Ob er an der Ecke der Straße noch