194 Bwölftes Kapitel.
aber jetzt darf ich kein Wort mehr zugeben, auch nichts mehr eingeſtehen, und wenn Ihr mir bietet, was Ihr wollt, und wenn Ihr auch Euer Zimmer abſchlagt, da kann ich nichts machen, da müſſen wir eben eine andere Gelegenheit ſuchen, die uns zum Ziele führt.“
„Jetzt ſprecht Ihr halb und halb die Wahrheit,“ entgeg⸗ nete ruhig die Frau;„Ihr werdet mir nichts mehr eingeſtehen, ganz richtig! und aus dem einfachen Grunde, weil Ihr nichts mehr wißt.“
„Das wäre der Teufel!“ ſagte lachend der Bediente;„ich wäre wirklich neugierig, was Ihr in der Sache für weitere Ideen habt.“
„Da wäret Ihr neugierig, mein Junge?“ ſagte höhniſch die Frau;„das glaube ich wohl, ich will Euch auch meine An⸗ ſtcht ſagen; aber Ihr müßt nicht glauben, mit Euten dummen Redensarten die Frau Schilder überliſten zu können.— Ich will's Euch ſagen, weil es mir gerade ſo paſſend erſcheint.— Man kann alſo dadurch zweierlei bezwecken: erſtens vielleicht eine Heirath mit dem Mädchen, um ihn ſo aus der reichen und mäch⸗ tigen Familie unter uns ordinäres Volk zu ſtoßen, ihn auf dieſe Art unſchädlich zu machen, und dann läßt man ihn die Ein⸗ willigung dieſer Heirath durch irgend etwas, was ich nicht weiß, theuer genug bezahlen.“
„Ah!“ ſagte Joſeph verblüfft,„glaubt Ihr wirklich, Frau Schilder?“
„Das wär' Eins,“ fuhr die Frau fort, ohne die Frage weiter einer Antwort zu würdigen;„das Andere aber iſt wahr⸗ ſcheinlicher. Man will vielleicht, er ſoll ſich Nachts in dieſes
Stadtviertel verlieren, er ſoll ſogar wohl den Verſuch machen,


