Joſeph Pierrot fällt in einen Blumenkorb. 193
verächtlich in die Höhe, fuhr durch ſein borſtiges Haar und ſchien eine ungeheure Gleichgültigkeit zur Schau tragen zu wollen; er nahm eine Miene an, als horche er kaum auf die Worte der Wirthin. Und doch ſtrengte er ſein Ohr auf eine übermenſchliche Art an, damit er ja keines derſelben verliere.
Letzteres wußte Frau Schilder zu genau, und es kümmerte ſte durchaus nicht, mit welchen Mienen ihr Gegenüber ſie an⸗ ſchaute. Sie fuhr fort:„Dagegen iſt es anderen Leuten, die ich Euch, meinem Freunde Joſeph, wohl nicht zu nennen brauche, erſtaunlich wichtig, daß ſich dieſes Verhältniß nicht wieder auf⸗ löſe, wie einige frühere, ſondern es ſoll recht innig werden; man will den jungen Menſchen veranlaſſen, ſich mit der ſchönen Ka⸗ tharine ſo eng wie möglich zu verbinden, und einmal da ange⸗ kommen, gibt es zwei Wege, die von dieſem Punkte aus weiter verfolgt werden könnten.“
Was die Frau Schilder eben geſagt, war, wie wir bereits
wiſſen, der Auftrag, den der Juſtizrath dem getreuen Pierrot gegeben. Das hatte die Frau richtig errathen: aber was dann weiter geſchehen könne, wenn das Verhältniß der ſchönen Kä⸗ tharina zu Eugen ein inniges geworden ſei, davon hatte er bis jetzt noch ganz unbeſtimmte Vorſtellungen. Und die Frau wußte ſogar zweierlei, was da geſchehen könnte; er war außerordent⸗ lich begierig, darüber etwas Näheres zu vernehmen, und nahm ſich daher vor, mit der Frau eine Komödie des Allwiſſenden zu ſpielen. „Nun ja,“ ſagte er deßhalb nach einer längeren Pauſe, ich will in der That geſtehen, Ihr habt bis dahin Recht; es intereſſirt ſich Jemand dafür, daß mein Herr mit der ſchönen Tochter der Gemüſehändlerin eine förmliche Liebſchaft anfängt; ich will das zugeben. Daran iſt im Grunde nicht viel gelegen; Hackländer, Eugen Stillfrieb. I. 13


