Zwölftes Kapitel.
„Davon iſt vor der Hand keine Rede,“ entgegnete Joſeph ärgerlich;„er will nur zuweilen kommen und ſich hier im Hauſe verbergen, bis es vielleicht einmal möglich iſt, daß er ſte von der Straße aus einen Augenblick ſprechen kann. Auch ſoll er von Eurem Zimmer aus Abends ein paar Mal in das Schlafzimmer der ſchönen Katharina ſehen können.
„Er ſoll?“ ſagte die Frau aufmerkſam; und ihre Taubheit ſchien ſich ſehr vermindert zu haben.
„Was— er ſoll— er ſoll nicht, er will!“
„So, er will?“ lachte ſpöttiſch die Frau; no lieber Joſeph, jetzt wollt Ihr wieder einmal pfiffiger ſein, wie die arme Frau Schilder; aber dazu habt ihr kein Talent. Nehmt mir nicht übel, Ihr ſeid ein guter Menſch, aber etwas dumm.— Alſo ihr braucht ein Zimmer?“
„Ja,“ ſagte Joſeph.
„Und Ihr wollt es mir gut bezahlen?“
„Verſteht ſich!“
„Nun, ſo will ich Euch etwas ſagen. In meinem Hauſe muß Alles ſauber und ordentlich hergehen, das heißt, ich muß wiſſen, was darin vorgeht,“ entgegnete die Frau mit einem ſon⸗ derbaren Lächeln.„Glaubt mir, lieber Joſeph, eine andere Frau wie ich hätte hinter Euren Worten nichts geſucht und das Zim⸗ mer gern gegeben, und wär' mit ein paar lumpigen Gulden zu⸗ frieden geweſen. Aber Ihr müßt eine arme Wittwe nicht betrügen wollen. Sagt mir, weßhalb Ihr das Zimmer eigentlich wollt; es kann mir nicht einerlei ſein, was da geſchieht, man könnte ja da oben falſche Sechſer machen wollen.“
„Frau Schilder!“ rief Joſeph mit zorniger, aber gedämpfter Stimme und ſchlug dazu mit der Fauſt auf den Tiſch.


