Eine ſchöne Tochter iſt ſchwer zu hüten. 27
dummen Reden unbeantwortet läßt; ich will mich auch gar nicht darum kümmern. Sag', was du willſt, und wenn dir die Mutter am Ende wie gewöhnlich glaubt, ſo kann ich auch nichts dagegen haben. Ich werde doch thun und laſſen, was mir gefällt, denn ich bin kein Kind mehr und weiß ſchon, was ich zu thun habe.“ — Damit wandte ſte ſich vom Tiſche weg und gieng wieder ins Nebenzimmer, deſſen Thüre ſie eben ſo heftig, als ſie ſie geöffnet, wieder hinter ſich zuſchlug.
„Seht Ihr, wie ſie trotzig iſt, obgleich ſie mir nichts Rech⸗ tes zu antworten weiß!“ ſagte der Bruder;„ja laßt der nur allen Willen, und Ihr werdet genug Freude an ihr erleben!“
Madame Schoppelmann gab keine Antwort, ſondern gieng an den Heerd, nahm von dort die große Kaffeekanne und ſetzte ſie auf den Tiſch; dann langte ſte vom Kamingeſims einige Taſſen herunter, die ſte daneben ſtellte, nahm aus einem Wandſchrank einen Teller, worauf ein friſches Stück Butter in einem Kohl⸗ blatte eingewickelt lag, und ſtellte das nebſt einem großen Stück Brod daneben. Aber obgleich ſte das Geſpräch von vorhin nicht laut fortſetzte, ſo ſah man doch ihrem Mienenſpiel an, daß ſie dieſe Geſchichte nicht ganz gleichgültig aufnahm, ſondern viel⸗ mehr eifrig darüber nachdachte. Zuweilen ſchüttelte ſie den Kopf, ſeufzte auch wohl gelinde auf, und als ſie das Frühſtück herge⸗ richtet hatte, ließ ſie ſich mühſam auf einen breiten, ſchweren Stuhl an dem Tiſche nieder und legte, ſtatt zuzulangen, die Haͤnde in den Schooß.
„Haſt du,“ fragte ſie nach einer Pauſe,„deine Schweſter vorhin nur necken wollen, wie es unter euch Mode iſt, oder ſagt man wirklich in der Stadt etwas über ſie und jenen Herrn Eugen?“


