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— Sie müſſen ſich ſogleich zu Bette legen, und dann bleibe ich bei Ihnen.“
Willenlos folgte Sophie und ſank mit einem tiefen Seufzer auf ihr Lager, ſie fühlte ihre Schwäche wieder⸗ kehren und war glücklich, nicht mehr allein zu ſein.
„Wie haben Sie es nur ſchon erfahren?“ fragte die Haushälterin, am Bette ſitzend, nachdem ſie das junge Mädchen ſorgfältig zugedeckt und ihr die Kiſſen zurecht gerichtet.„Wie haben Sie es nur erfahren?— Waren Sie noch einmal droben und bei ihm? Doch das iſt ja unmöglich, da ich das Zimmer abſchloß und die Schlüſſel hier in meiner Taſche habe,— wie haben Sie es denn erfahren?“
„Was denn, liebe Madame Kegel?“ hauchte Sophie mit halbgeſchloſſenen Augen.
„Nun, daß der arme Herr Nathan geſtorben iſt, Gott habe ihn ſelig, und ſehr ſanft geſtorben, denn es war aus mit ihm, als wenn ein Licht von ſelber erlöſcht.“
„Wann iſt er geſtorben?“ fragte das junge Mädchen, haſtig in die Höhe fahrend, mit weit aufgeriſſenen Augen und dem Ausdruck eines unbeſchreiblichen Entſetzens.
„Nun, vor ungefähr zwei Stunden,“ gab Madame Kegel zur Antwort, und ſetzte in einem Tone der Ver⸗ wunderung hinzu:„Sie wußten es alſo nicht?“
Sophie faltete krampfhaft ihre Hände.—„Vor zwei Stunden? Oh, mein Gott, das iſt ja unmöglich!“
„Und doch wahr, mein liebes Fräulein, Sie ſehen, wie es auch mich erſchüttert hat,“— dabei floſſen ihre
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