Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
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ſie bei dem Major Quinſcheidt war, bis jetzt, wo ſie ſich als Pflegetochter in ſeinem Hauſe befand. Dabei ver⸗ mied er es nicht, ſich in ſehr ernſtem Tone darüber aus⸗ zuſprechen, wie wenig die natürlichen Anverwandten des verlaſſenen jungen Mädchens ſich um daſſelbe bekümmert, und daß dieſe es ſich ſelbſt zuzuſchreiben hätten, wenn Sophie, beſonders bei ihrem eigenthümlichen, feſten und ernſten Charakter, jedes verwandtſchaftliche Band als voll⸗ kommen gelöſt betrachte, eine Anſicht, die er und ſein Bruder Nathan in ſo fern unterſtützen müßten, als ſie durch langjährige Sorgfalt und Pflege gewiſſermaßen ein Anrecht auf Sophie erworben, welches dieſe auch in vollem Umfange anerkenne und gern anerkenne.

Vollkommen begreiflich finde er es dagegen, daß die Anverwandten des jungen Mädchens irgend ein Pfand, eine Bürgſchaft für deren Zukunft wünſchten, welche er und ſein Bruder Nathan auch zu leiſten entſchloſſen ſeien.

Während dieſer Erklärung hatte ihn Fräulein Wil⸗ helmine häufig durch ſchöne, aber ſehr allgemeine Redens⸗ arten unterbrochen, durch Verſicherungen ihrer verwandt⸗ ſchaftlichen Zärtlichkeit für das junge Mädchen, die jetzt bei der Rückkehr zur Vaterſtadt wieder mit verdoppelter Kraft in ihrem Herzen erwacht ſei, doch hatte der ſchlaue Joſeph Schropps wohl bemerkt, daß dieſe Verſicherungen im Ver⸗ hältniß ſtets eiliger, unbeſtimmter vorgebracht wurden, als ſie ſich von der Thüre des Nebenzimmers entfernten, und daß Fräulein Wilhelmine nur dann von gewiß gerecht⸗ fertigten Forderungen ſprach, wenn ſie ſo nahe an jener