Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
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herabhängende, ſemmelblonde Haar erſchien wie das ein⸗ fache, anſpruchsloſe Strohdach auf einer Hütte des Friedens.

Und wenn man Herrn Schleimer ſah und hörte, ſeine ſanften, wohlwollenden Worte vernahm, ſo konnte man ihn auch eine Hütte des Friedens nennen mit der Aufſchrift: Kommt unter mein gaſtliches Dach, kommt in mein Kämmerlein alle, ſo ihr des Troſtes bedürftig ſeid, vor Allem ihr ſüßen, weiblichen Seelen! Auch in ſeinen Be⸗ wegungen lag für eine gewiſſe Art von Gläubigen etwas Vertrauenerweckendes, etwas Anziehendes, und ſein ölarti⸗ ges, geſchmeidiges Benehmen hätte nur rauhen, mißtraui⸗ ſchen Charakteren verdächtig erſcheinen können, harten Herzen, die Alles mit Mißtrauen betrachten und welche die von ſeinen Lippen fallenden Diamanten für nachgemachte, falſche Steine hielten, ihn aber für einen Wegweiſer, der ſelbſt den Pfad nicht wandelt, nach welchem er beſtändig hinzeigt.

Ach, und es gibt ſolche rauhe Charaktere genug in dieſer böſen, verderbten Welt, denen Nichts heilig iſt, die hinter jedem innigen gottgefälligen Worte Heuchelei wittern und mit Mißtrauen einer biedern Seele nahen, weil ſich dieſe nicht in rauher, derber Schale zeigt, ſondern ehrlich, redlich, tugendhaft und moraliſch, geſchmeidig, ölig, ſchlei⸗ mig wie Herr Schleimer!

Auch Herr Joſeph Schropps fühlte etwas von ſolchem Mißtrauen und dachte bei ſich ſelber, wenn der Mann mit ſeinem ſüßen Lächeln, mit ſeinen niedergeſchlagenen Augen zu mir auf's Comptoir käme, um einen Wechſel

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