Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
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Heimat nennen und der ſchon hienieden ſo unwiderſtehlich eine Sehnſucht in uns erweckt auch nach der himmliſchen Heimat, daß wir bei einem empfänglichen Gemüthe nur jene Pfade zu wandeln vermögen, bei denen die Gnade zum Durchbruch kommt und wir ſtets jene erhabene Pforte vor uns ſehen, welche uns entgegen leuchtet mit dem Ur⸗ quelllichte alles Göttlichen und Schönen.

Unter der Wucht dieſer erhabenen Worte hatten ſowohl Fräulein Wilhelmine als ihre Geſellſchafterin die Häupter geneigt, vergleichbar ein paar reifen Sonnenblumen, welche nach himmliſchem Thaue dürſten, während Herr Schropps mit erſtaunten Blicken den Sprecher etwas näher in's Auge faßte. Dieſer war ein langer, dünner und noch ziemlich junger Mann, ſchwarz gekleidet, ſchwarz behandſchuht Alles ſchwarz. An ſeinem Anzuge war nichts Helles zu ſehen, als eine weiße Halsbinde, die um ſo mehr tugend⸗ haft und ohne Falſch erſchien, als man weder einen Knopf noch eine flatterhafte Schleife an ihr bemerkte, weil Herr Schleimer ſie hinten zuzuknüpfen pflegte. Sie war etwas niedrig, ſo daß man den Hals mit einem ſtarken Adams⸗ apfel ſah, der ſich beim Sprechen bedeutſam bewegte und ſo gewiß nicht abſichtslos an den Sündenfall als die Quelle alles Uebels erinnerte, wogegen ſein glatt raſirtes Kinn, ſeine bartloſen Wangen, ſo wie ſeine blauen, etwas müden und ſanft ausdrucksloſen Augen ein verſöhnendes Bild ſüßen Friedens gaben. Sein Geſicht hatte einen Ausdruck heiliger Ruhe, die auf Tugend und Rechtlichkeit gegründet iſt, und das über der Stirn geſcheitelte, glatt

Hackländer, Kainszeichen. III.