— 4—
Geſicht durchaus nicht an Friſche gewonnen, ſondern er⸗ ſchien etwas aufgedunſen, wie von gelblichem Flanell, mit dunklen Hautporen, beſonders um die Gegend der fleiſchi⸗ gen Naſe, und gab mit den ſchlechten Zähnen ein Bild, bei welchem wir uns unwillkürlich an den Geruch von Patchouli erinnern. 3
Die ehemalige Kammerjungfer Rieke, welche im Ge⸗ ſpräche einige Male als Geſellſchafterin bezeichnet wurde, war ziemlich dick geworden, beſonders in ihrem etwas ge⸗ meinen Geſicht, hatte ſich aber im Ganzen beſſer conſer⸗ virt wie ihre Herrin, was man hauptſächlich ihren lebhaften Augen, ihren immer noch friſchen Lippen, guten Zähnen ſo wie ihrem feſten und ſorgfältig geordneten Haar zu⸗ ſchreiben konnte; ſie trug faſt die gleiche Kleidung wie das gnädige Fräulein.
„Sie ſehen,“ ſagte dieſe mit einer Handbewegung gegen die Geſellſchafterin,„daß ich mir auch im Hinblick auf dieſe treue Seele die freundlichen Erinnerungen aus einer glücklichen Jugendzeit erhalten habe.— Wir theilten ſo viel Freud' und Leid mit einander, daß es für uns beide gleich ſchmerzlich geweſen wäre, uns zu trennen, be⸗ ſonders fern von der Heimat, zu welcher uns ſchon längſt eine unüberwindliche Sehnſucht zurückgezogen.“
„Eine Sehnſucht,“ ſagte der Reiſeprediger,„welche in das menſchliche Herz wie ein göttliches Samenkorn gelegt iſt, wurzelnd in ſüßer Erinnerung, getrieben und gezeitigt durch einen allerdings unerklärlichen Drang des Herzens, begoſſen durch den Schmerz, den wir das Wehe der


